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Nestlé startet Agri-PV mit 4,5 MWp: Kühe unter Solarmodulen

Photovoltaikanlage auf Dach

Nestlé Deutschland AG hat im bayerischen Biessenhofen eine Agri-Photovoltaik-Anlage mit 4,5 Megawatt Leistung in Betrieb genommen. Unter dem Namen „Cow-PV“ verbindet das Projekt Weidehaltung von Rindern mit industrieller Stromerzeugung und Wärmeversorgung – ein Pilotprojekt, das zeigt, wie Lebensmittelproduktion und Energiewende zusammenwachsen können.

Kühe als Mitbewohner unter Solarmodulen

Die Agri-Photovoltaik-Anlage in Biessenhofen ist auf Stahlträgern errichtet, die hoch genug montiert sind, damit das Milchvieh ungehindert weiden kann. Das Prinzip der Agri-PV – die gleichzeitige Nutzung einer Fläche für Landwirtschaft und Solarstromerzeugung – ist nicht neu, wird aber im industriellen Maßstab bislang selten umgesetzt. Mit 4,5 MWp deckt die Anlage einen erheblichen Teil des Strombedarfs des Nestlé-Werks in Biessenhofen.

Der erzeugte Strom fließt direkt in die Produktion: Wärmepumpen übernehmen die Prozesswärme, die früher fossile Brennstoffe lieferten. Das reduziert nicht nur den CO₂-Ausstoß, sondern senkt auch die Betriebskosten langfristig – ein Modell, das für energieintensive Industrien zunehmend wirtschaftlich interessant wird.

Agri-PV in Deutschland: Rechtlicher Rahmen zieht nach

Der rechtliche Rahmen für Agri-PV in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 schuf erstmals eine eigene Förderkategorie für Agri-PV, die spezifische Anforderungen an den Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzfläche stellt. Die Bundesnetzagentur registriert inzwischen eine wachsende Zahl von bezuschlagten Agri-PV-Projekten in ihren Ausschreibungsrunden. Das zeigt, dass das Konzept den Sprung aus der Pilotphase in die kommerzielle Realität geschafft hat.

Für Landwirtschaftsbetriebe bedeutet Agri-PV eine zusätzliche Einnahmequelle: Während Tiere oder Pflanzen weiter die Fläche nutzen, fließt Vergütung aus der Solareinspeisung. Gleichzeitig können Solarmodule je nach Ausrichtung Schatten spenden, was bei extremer Hitze den Ertrag von Nutzpflanzen steigern kann.

Zusätzlich entstehen ökologische Synergien: Agri-PV-Anlagen bieten Insekten und anderen Kleintieren Schutz vor extremer Witterung. Einige Studien zeigen, dass die Bodenfeuchte unter den Modulen höher bleibt, was Trockenstress für Pflanzen mindert. Für Betriebe mit Nachhaltigkeitszielen ist das ein relevantes Argument gegenüber konventionellen Freiflächen-Anlagen.

Neue Modulgeneration für Agri- und Dachflächen

Parallel zu solchen Projekten entwickeln Modulhersteller spezialisierte Lösungen für Agri-PV. Trina Solar hat im Mai 2026 die G3-Modulgeneration vorgestellt, die auf hochleistungsfähige Solarmodule für Dach- und Freiflächenanlagen setzt. Die Module sollen laut Hersteller eine höhere Bifazialität und verbesserte Niedriglicht-Leistung aufweisen – beides relevant für agrarische Umgebungen, in denen Reflexion vom Boden und wechselhafte Lichtverhältnisse eine größere Rolle spielen als auf optimierten Dächern.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Herstellerangaben zu neuen Modullinien basieren auf Labordaten. Die tatsächliche Performance unter Feldbedingungen – Feuchtigkeit, Staubentwicklung auf Agrarflächen, mechanische Belastung durch Wind auf weitgeöffneten Flächen – muss die Praxis erst bestätigen. Für fundierte Planung empfiehlt sich ein Vergleich mehrerer Anbieter mit langer Marktbewährung.

Wirtschaftliche Kalkulation für Industrie und Landwirtschaft

Für Industrieunternehmen wie Nestlé rechnet sich die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe vor allem dann, wenn der Eigenverbrauchsanteil hoch ist. Bei einem 4,5-MWp-Projekt mit direkter Nutzung für Produktionsprozesse lässt sich der Bezug von teurem Netzstrom spürbar reduzieren. Die Amortisationszeit hängt von lokaler Einstrahlung, Strombedarf und genutzter Förderkulisse ab. BAFA-Programme oder KfW-Mittel für gewerbliche Photovoltaik können die Wirtschaftlichkeit zusätzlich verbessern. Wichtig ist eine sorgfältige Planung mit zertifizierten Installateuren, die Erfahrung mit gewerblichen Großanlagen mitbringen.

Kleinere Betriebe und landwirtschaftliche Unternehmen profitieren von ähnlichen Konzepten, auch wenn der Maßstab geringer ist. Bereits ab wenigen hundert Kilowatt-Peak lassen sich Weidehaltung und Solarstromerzeugung wirtschaftlich sinnvoll kombinieren, sofern die Flächenvoraussetzungen stimmen.

Modellcharakter für NRW

Das Nestlé-Modell aus Bayern könnte auch in Nordrhein-Westfalen Nachahmer finden. Die Landesregierung NRW unterstützt Agri-PV-Pilotprojekte im Rahmen des Landesentwicklungsplans, und landwirtschaftliche Betriebe zwischen Münsterland und Sauerland prüfen zunehmend, wie Solarflächen in bestehende Bewirtschaftungskonzepte integriert werden können. KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt begleitet solche Projekte in der Region als Fachhandel für Photovoltaik-Komponenten.

Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zu Agri-PV und Wärmepumpen-Integration beraten lassen.

Quellen: Solarserver · photovoltaik.eu

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