CDU, CSU und SPD wollen den Ausbau der Verteilnetze deutlich beschleunigen. Das geht aus einem am Morgen vorgestellten Beschlusspapier des Koalitionsausschusses hervor, das die Parteispitzen in der Nacht zuvor ausgehandelt hatten. Zu einer seit Monaten versprochenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes findet sich in dem Dokument dagegen kein einziges Wort.
Verteilnetzpaket soll Tempo verdoppeln
Der Beschlusstext der Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD trägt den Titel „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ und umfasst 34 Punkte. Unter der Überschrift „Wachstum und Gerechtigkeit“ findet sich der Abschnitt „Planungsbeschleunigung Verteilnetze“. Die Koalitionsspitzen räumen darin ein, dass ein schnellerer Ausbau der Verteilnetze entscheidend für Fortschritt und Bezahlbarkeit der Energiewende sei.
Bis Ende des Jahres wollen Union und SPD ein eigenes Verteilnetzpaket vorlegen. Es soll den Netzausbau beschleunigen, die Modernisierung und Digitalisierung vorantreiben und neue Finanzierungswege eröffnen. Bestehende Netze sollen zunächst besser ausgelastet werden, bevor neue Leitungen gebaut werden. Genehmigungsverfahren will die Koalition mithilfe des europäischen EU Grid Package straffen, Planfeststellungsverfahren flexibilisieren und Umweltverträglichkeitsprüfungen verkürzen. Erklärtes Ziel: Die Realisierungszeit für Netzausbauprojekte im Verteilnetz soll sich halbieren, sodass Anschlussanträge künftig deutlich schneller bearbeitet werden.
Die Reform betrifft auch private Anlagenbetreiber. Je mehr Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Wallboxen ans Netz gehen, desto stärker geraten regionale Verteilnetze an ihre Kapazitätsgrenzen. Ein schnellerer Ausbau soll Wartezeiten bei Netzanschlüssen verkürzen, ein Dauerthema für Installateure und Bauherren gleichermaßen.
Smart Meter light für alle Haushalte
Zweiter Schwerpunkt des Beschlusses ist die Digitalisierung der Netze. Der Rollout intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meter, soll verschärft werden. Bis Ende 2030 sollen mehr als 90 Prozent der Pflichteinbaufälle abgeschlossen sein. Für Haushalte ohne Einbaupflicht plant die Koalition zusätzlich ein günstigeres „Smart Meter light“. Es soll laut Papier „kostengünstig und cybersicher“ ermöglichen, die eigene Stromrechnung zu optimieren.
Für Betreiber von Energiespeichern und Wärmepumpen ist das relevant: Erst ein intelligenter Zähler macht variable Stromtarife und eine automatisierte Steuerung von Verbrauch und Einspeisung überhaupt praktisch nutzbar. Ergänzend soll eine zentrale Datenplattform entstehen, auf der Informationen zu Netzausbau, Netzauslastung und freien Anschlusskapazitäten standardisiert abrufbar sind. Die Koalition will zudem die Zusammenarbeit der bundesweit knapp 900 Verteilnetzbetreiber stärken und Anreize für gemeinsam entwickelte, deutschlandweit nutzbare Software setzen.
Anschlussgarantie für Industriebetriebe
Für Unternehmen enthält das Papier eine sogenannte Anschlussgarantie. Industriebetriebe sollen künftig eine verbindliche Frist erhalten, bis wann sie mit der benötigten Kapazität ans Stromnetz angeschlossen werden. Das soll Investitionsentscheidungen planbarer machen, etwa für energieintensive Betriebe und Gewerbekunden mit eigenem Gewerbespeicher oder Elektrofahrzeugflotten mit Wallboxen.
Kein Wort zum EEG
Zum Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, findet sich in dem 34-Punkte-Papier dagegen kein einziger Satz. Noch beim Koalitionsausschuss im November 2025 hatten die Parteispitzen einen Kabinettsbeschluss für ein EEG 2.0 bis Jahresende 2025 versprochen. Ein Gesetzentwurf liegt bis heute nicht vor.
Politiker von Union und SPD betonen wiederholt, sich der Dringlichkeit bewusst zu sein. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sicherte auf dem BDEW-Kongress vor rund einem Monat eine zügige Novellierung zu. Ein konkreter Zeitplan für das EEG 2.0 fehlt jedoch weiterhin, anders als beim Verteilnetzausbau, für den nun eine feste Frist bis Jahresende im Raum steht.
Was das für Bauherren in NRW bedeutet
Für Handwerksbetriebe und Bauherren in Drensteinfurt und im Münsterland ist der angekündigte Verteilnetzausbau vor allem bei Netzanschlüssen für Wärmepumpen, Speicher und Wallboxen relevant. Kürzere Genehmigungszeiten könnten Bauvorhaben planbarer machen, sobald das angekündigte Verteilnetzpaket tatsächlich vorliegt. Bis dahin bleibt der Netzanschluss vielerorts der Flaschenhals bei der Umsetzung von Photovoltaik- und Wärmepumpenprojekten im ländlichen Raum.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zum Netzanschluss für Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen beraten lassen.
Quellen: pv-magazine.de