Über das Pfingstwochenende drohen an der Strombörse erneut stark negative Preise: Hohe Einspeisung aus Wind und Solar trifft auf schwache industrielle Nachfrage. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) macht ausgebremste Flexibilitätslösungen für die Marktverzerrung verantwortlich und legt sieben regulatorische Sofortmaßnahmen vor.
Pfingsten als Stresstest für das Stromnetz
Das Pfingstwochenende gilt in der deutschen Energiewirtschaft als neuralgischer Punkt: Industrie und Gewerbe fahren die Produktion herunter, während Wind- und Solarkraftwerke bei günstigem Wetter Höchstleistung erbringen. Das Ergebnis sind Börsenstrompreise, die weit in den negativen Bereich fallen – Erzeuger erhalten also eine Prämie dafür, dass sie Strom ins Netz einspeisen, den niemand abnimmt.
Bereits in den vergangenen Jahren traten zu Feiertagen solche Preiseinbrüche auf. Für das Pfingstwochenende 2026 prognostizieren Marktteilnehmer eine Verschärfung der Lage: Der Anteil erneuerbarer Energie im deutschen Strommix ist weiter gestiegen, die industrielle Abnahme bleibt schwach. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) betonte in seiner Stellungnahme, dass das Grundproblem nicht das Überangebot selbst sei – sondern fehlende Regulierung, die flexible Abnehmer und Speicherlösungen an der Teilnahme am Markt hindert.
Sieben Sofortmaßnahmen gegen Marktversagen
Der bne richtet seine Forderungen gezielt an Netzbetreiber, Stadtwerke und Projektierer. Im Kern zielt das Papier auf eine schnellere Marktintegration von Flexibilitätslösungen: Wärmepumpen, Batteriespeicher und steuerbare Verbraucher sollen systemdienlich eingesetzt werden können, ohne durch bürokratische Hürden blockiert zu sein.
Zu den zentralen Hebeln zählt der Verband die Beschleunigung von Netzanschlussprozessen für flexible Anlagen sowie eine marktgerechte Preissignalweitergabe an Endkunden. Stadtwerke und Energieversorger sollen stärker als Aggregatoren agieren können, die dezentrale Energiespeicher und steuerbare Lasten bündeln und als virtuelle Kraftwerke am Regelenergiemarkt anbieten.
Darüber hinaus fordert der bne eine Reform der Netzentgeltstruktur: Wer Strom in Zeiten hoher Einspeisung und niedrigem Preis abnimmt, soll besser vergütet werden. Dies würde industrielle Großverbraucher und Betreiber steuerbarer Anlagen dazu motivieren, ihre Last genau dann hochzufahren, wenn der Markt sie benötigt – und negative Preise so abzumildern.
Bahnstrom-Photovoltaik: Gleisanlagen als ungenutztes Solarpotenzial
Parallel zu den Marktforderungen des bne zeigt eine neue Forschungsarbeit, wie erheblich das ungenutzte Solarpotenzial entlang von Verkehrsinfrastruktur ist. Berechnungen ergeben, dass die Flächen beiderseits der rund 8.000 Kilometer langen Bahnstrecken der Deutschen Bahn ausreichen, um den gesamten Strombedarf des Schienenverkehrs durch eigene PV-Anlagen zu decken.
Die Deutsche Bahn ist der größte einzelne Stromverbraucher in Deutschland und betreibt ein eigenes Stromnetz mit einer Frequenz von 16,7 Hertz – abweichend vom öffentlichen 50-Hertz-Netz. Genau diese technische Besonderheit ist bislang ein Investitionshindernis: Solaranlagen, die Bahnstrom erzeugen, unterliegen anderen regulatorischen Anforderungen als Anlagen am öffentlichen Netz. Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass diese technisch-rechtliche Benachteiligung Investitionen verhindert, die energiewirtschaftlich sinnvoll wären.
Würde das Potenzial vollständig genutzt, könnten laut Studie nicht nur die Bahnstromkosten sinken, sondern auch die allgemeinen Börsenstrompreise und Netzentgelte – da große Mengen erneuerbarer Energie lokal verbraucht würden, anstatt das öffentliche Netz zu belasten.
Einordnung: Regulierung als Engpass
Beide Meldungen treffen einen gemeinsamen Nerv: Das Problem negativer Strompreise ist nicht mangelnde Erzeugungsleistung, sondern eine Regulierung, die nicht schnell genug mit dem Ausbau erneuerbarer Energien Schritt hält. Flexible Verbraucher – ob Wärmepumpe, Speichersystem oder Schienenverkehr – könnten Überangebotssituationen abfangen, wenn die Marktregeln dies ermöglichen.
Für Hausbesitzer und Gewerbetreibende ist die Entwicklung relevant: Negative Preise entstehen vor allem, weil zu wenig Flexibilität im System vorhanden ist. Wer einen Heimspeicher oder eine steuerbare Wärmepumpe betreibt, kann künftig von dynamischen Stromtarifen profitieren – sofern Energieversorger entsprechende Produkte anbieten und die Regulierung den Rahmen dafür schafft.
KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt beobachtet diese Marktentwicklung mit Blick auf gewerbliche Kunden in NRW, die eigene Photovoltaik mit Speicherlösungen kombinieren und an künftigen Flexibilitätsmärkten teilnehmen möchten.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zu Photovoltaik-Planung und Speicherintegration beraten lassen.
Quellen: Solarserver · energie-experten.org