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Heimspeicher-Vermarktung: 40 Euro Erlös pro Feiertagstag

Heimspeicher Vermarktung | KW Baustoffe GmbH

Negative Börsenstrompreise an langen Feiertagswochenenden lassen sich mit vernetzten Heimspeichern in bare Einnahmen umwandeln. Jan Hicl, Chief Product Officer beim tschechischen Anbieter Delta Green, beziffert das Potenzial: 30 bis 40 Euro Erlös an einem einzigen Tag seien in gut vernetzten Märkten keine Seltenheit.

Feiertagswochenende als Testfall

An langen Feiertagswochenenden sinkt die Stromnachfrage, während Solar- und Windanlagen weiter einspeisen. Die Folge: Börsenstrompreise fallen tief ins Negative. Für Netzbetreiber bedeutet das erhöhten Regelungsaufwand – für Besitzer vernetzter Heimspeicher kann es hingegen Einnahmen bedeuten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) koppelt Photovoltaik-Anlagen bei negativen Börsenstrompreisen seit 2023 von der Einspeisevergütung ab – ein Mechanismus, der Anlagenbetreibern zusätzliche Flexibilität abverlangt.

Delta Green, ein tschechisches Unternehmen mit Aktivitäten in mehreren europäischen Märkten, bündelt Heimspeicher, Wärmepumpen und Wallboxen aus Einfamilienhäusern zu einem virtuellen Kraftwerk und vermarktet die kombinierte Flexibilität an Energieversorger sowie Netzbetreiber. Für angeschlossene Haushalte entsteht dabei ein passives Einkommen – ohne spürbare Komforteinbuße.

Virtuelles Kraftwerk: So funktioniert das Modell

„Wir aggregieren dezentrale Anlagen und steuern sie in Echtzeit nach Marktsignalen“, erklärt Jan Hicl, der 2024 als Mitgesellschafter bei Delta Green einstieg und seither als Chief Product Officer tätig ist. Ein typischer Haushalt mit einem 10-kWh-Speicher könne an einem Tag mit stark negativen Börsenstrompreisen zwischen 30 und 40 Euro erzielen. In Tschechien, der Slowakei und weiteren europäischen Märkten ist das Modell bereits produktiv. Kunden melden ihre Anlage an, die Software übernimmt die Steuerung, die monatliche Abrechnung erfolgt automatisch.

Für Energieversorger ist das Modell attraktiv, weil es Ausgleichsenergiekosten senkt. Für Verteilnetzbetreiber hilft es, Lastspitzen abzufedern. Und für Endkunden schafft es einen finanziellen Anreiz, Speicher und andere flexible Lasten nicht nur für den Eigenverbrauch einzusetzen, sondern aktiv am Strommarkt teilzunehmen.

Deutschland: Regulierung holt auf

In Deutschland ist das Aggregationsmodell noch nicht flächendeckend verfügbar, obwohl sich der regulatorische Rahmen bewegt. Die Bundesnetzagentur arbeitet an Verfahren zur besseren Einbindung dezentraler Anlagen in den Strommarkt. Parallel debattiert die Politik, ob Anlagen ab einer bestimmten Leistungsgrenze verpflichtend in die Direktvermarktung überführt werden sollen – anstelle der bisherigen fixen EEG-Vergütung.

Hicl sieht Deutschland als bedeutenden Zukunftsmarkt: „Die Ausgangslage ist gut. Millionen installierter PV-Anlagen, ein wachsender Speicher-Anteil – sobald die Regulierung Flexibilitätsvermarktung für Kleinanlagen wirtschaftlich ermöglicht, werden wir einsteigen.“ Voraussetzung seien standardisierte Kommunikationsschnittstellen, klare Marktregeln und ein vereinfachtes Anmeldeverfahren für gebündelte Kleinanlagen.

Einfachere Installation als Marktbeschleuniger

Ein praktisches Hemmnis für den Markthochlauf ist die Installationsdauer. Komplizierte Inbetriebnahmen erhöhen die Handwerkerkosten und verlangsamen die Verbreitung moderner Speichersysteme. Der Hersteller Sigenergy adressiert dieses Problem mit einem kombinierten Speicher- und DC-Ladesystem, das sich laut Unternehmensangaben deutlich schneller installieren lässt als herkömmliche Lösungen. Unabhängige Praxistests stehen noch aus; das Konzept trifft jedoch einen echten Schmerzpunkt des Installationsmarktes.

Für die Anbindung an virtuelle Kraftwerke ist darüber hinaus eine standardisierte Steuerungsschnittstelle Voraussetzung – etwa der CTA-Standard oder EEBUS. Hersteller, die das ab Werk integrieren, verschaffen ihren Kunden einen strategischen Vorteil, wenn Flexibilitätsvermarktung in Deutschland Fahrt aufnimmt.

Flexibilität als handelbare Ware

Die Kombination aus wachsendem erneuerbaren Anteil und volatilen Börsenstrompreisen macht Flexibilität zur handelbaren Ware. Ein Heimspeicher oder eine steuerbare Wallbox ist damit potenziell mehr als ein Instrument zur Eigenverbrauchsoptimierung – es kann ein Asset sein, das aktiv Erträge erwirtschaftet. Ob das Modell in Deutschland zum breiten Einkommensmodell wird, hängt von drei Faktoren ab: regulatorischer Klarheit, technischer Interoperabilität und einer ausreichenden Aggregatoren-Landschaft.

Für Hausbesitzer und Installateure in Nordrhein-Westfalen lohnt es sich bereits heute, bei der Auswahl neuer Speichersysteme auf Aggregierbarkeit und offene Kommunikationsschnittstellen zu achten – die Entscheidung beeinflusst den langfristigen Gesamtertrag einer Anlage mehr als viele kaufpreisbezogene Faktoren.

Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Heimspeicher-Planung und Direktvermarktung beraten lassen.

Quellen: pv-magazine.de · photovoltaik.eu

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