SMA-Chef Jürgen Reinert erwartet, dass das Geschäft mit Heim- und Gewerbeanlagen ab 2027 wieder profitabel wird. Nach anderthalb Jahren Restrukturierung wächst die Sparte für kleinere Photovoltaik-Anlagen bereits zweistellig. Im Interview mit pv-magazine.de nennt Reinert neue Hybridwechselrichter, Batteriespeicher und geplante Änderungen bei der Einspeisevergütung als zentrale Faktoren.
Geschäft hat sich in 15 Jahren komplett gedreht
Vor 15 Jahren stammten rund 80 Prozent des Umsatzes von SMA aus Dachanlagen für Privathaushalte und Gewerbebetriebe, nur 20 Prozent aus Großprojekten. Heute ist das Verhältnis umgekehrt: Etwa 80 Prozent des Umsatzes entfallen auf das Large-Scale-Geschäft, rund 20 Prozent auf den Bereich Home & Business.
Reinert betont im Gespräch mit pv-magazine.de, dass der kleinere Bereich deshalb nicht vernachlässigt werde. Im ersten Quartal 2026 wuchs die Sparte für Heim- und Gewerbeanlagen gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent. Grund ist eine neue Produktgeneration, die SMA derzeit auf den Markt bringt.
Neue Hybridwechselrichter und Speicher als Wachstumstreiber
Kern der Neuaufstellung sind Hybridwechselrichter von fünf bis 30 Kilowatt, dazu neue Batteriespeicher, ein überarbeitetes Energiemanagementsystem und eine vereinfachte Inbetriebnahme. Die anderthalbjährige Restrukturierung des Unternehmens diente laut Reinert genau diesem Ziel: das Privat- und Gewerbekundengeschäft neu aufzustellen, bevor es 2027 wieder profitabel werden soll.
Der SMA-Chef reagiert damit auch auf ein verändertes Marktumfeld. Viele Kunden richten ihre Investitionsentscheidung heute stärker am Eigenverbrauch und an der Autarkie ihrer Anlage aus als an der Höhe der Einspeisevergütung.
Sorge vor EEG-Kürzung nur bedingt geteilt
Branchenverbände befürchten, dass geplante Änderungen an der Einspeisevergütung den deutschen Heimmarkt belasten könnten. Reinert teilt diese Sorge nur teilweise. Die Einspeisevergütung spiele ohnehin eine geringere Rolle als früher, so seine Einschätzung. Entscheidend seien stattdessen Eigenverbrauch und ein leistungsfähiges Energiemanagement, worauf die neuen SMA-Produkte ausgelegt seien.
Kurzfristig rechnet er sogar mit einem Vorzieheffekt, weil Kunden ihre Investition noch vor möglichen Gesetzesänderungen tätigen wollen. Sollten die Änderungen bereits 2027 in Kraft treten, könne es einen Dämpfer geben. Einen dramatischen Markteinbruch erwartet Reinert aber nicht. Er selbst hält ein früheres Auslaufen der EEG-Förderung für falsch.
Cybersicherheit als Argument gegen chinesische Wechselrichter
Ein zweiter Faktor für die Erholung im Heimsegment ist aus Sicht von Reinert die schärfere EU-Regulierung zur Cybersicherheit kritischer Infrastruktur. In mehreren Förderprogrammen werden chinesische Wechselrichter zunehmend ausgeschlossen. Reinert beziffert den Anteil chinesischer Geräte an den in Europa neu installierten Wechselrichtern auf rund 80 Prozent.
Diese Konzentration berge ein Risiko für die Netzstabilität, sollten mehrere Gigawatt Leistung gleichzeitig ausfallen oder abgeschaltet werden, warnt der SMA-Chef. Er verweist zudem auf staatliche Unterstützung chinesischer Hersteller und andere regulatorische Rahmenbedingungen als in Europa. Deshalb hält er es für richtig, Cybersecurity-Aspekte bei öffentlich geförderten Projekten stärker zu gewichten.
Kritisch anzumerken bleibt: Reinert äußert sich hier auch als Wettbewerber chinesischer Anbieter, für die schärfere Regeln unmittelbar SMA-Absatzchancen eröffnen. Ob europäische Hersteller die Nachfrage tatsächlich vollständig auffangen könnten, muss sich erst noch in der Praxis zeigen. Reinert selbst äußert sich hierzu zuversichtlich und geht davon aus, dass SMA gemeinsam mit anderen europäischen Herstellern den europäischen Bedarf decken könnte.
Bedeutung für Hausbesitzer und Installateure in Deutschland
Für deutsche Installateure und Hausbesitzer ist die Kombination aus beiden Trends relevant: Sinkt die Einspeisevergütung tatsächlich schneller als geplant, verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Anlagen noch stärker in Richtung Eigenverbrauch und Speicher. Wer eine Photovoltaik-Anlage plant, sollte Speichergröße und Energiemanagement daher von Anfang an mitdenken, statt sie später nachzurüsten.
Auch die Diskussion um Cybersicherheit bei Wechselrichtern dürfte Installateure zunehmend beschäftigen, etwa bei der Auswahl von Komponenten für öffentlich geförderte Projekte.
Für Hausbesitzer und Installateure in Drensteinfurt und im Münsterland ist die aktuelle Marktentwicklung ein Anlass, die eigene Anlagenplanung zu überprüfen, bevor mögliche Änderungen bei der Einspeisevergütung greifen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung mit Speicher beraten lassen.
Quellen: pv-magazine.de