Der SV Sandhausen lässt sein Stadion mit Solarstrom versorgen: Der Anlagenbauer Wirsol installiert eine Photovoltaik-Anlage auf dem Vereinsgelände. Bundesligist Mainz 05 ist bereits einen Schritt weiter und betreibt seit Kurzem einen Solarcarport mit Ladeinfrastruktur, gebaut vom Energieversorger Entega. Beide Projekte zeigen, wie der Profifußball zum Testfeld für neue Photovoltaik-Flächen wird – vom Stadiondach bis zum Parkplatz. Parallel dazu deutet eine europäische Studie an, dass künftig sogar Elektroautos selbst zu kleinen Solarkraftwerken werden könnten.
Wirsol rüstet das Stadion des SV Sandhausen mit Photovoltaik aus
Der SV Sandhausen lässt auf seinem Stadiondach eine Photovoltaik-Anlage errichten. Realisiert wird das Projekt vom Anlagenbauer Wirsol, der in Baden-Württemberg bereits zahlreiche Gewerbe- und Freiflächenanlagen umgesetzt hat. Angaben zur Anlagengröße oder zum Zeitplan der Fertigstellung hat der Club bislang nicht veröffentlicht.
Für den Traditionsverein aus dem Rhein-Neckar-Kreis ist die Anlage vor allem ein Signal: Stadiondächer rücken als Solarflächen stärker in den Fokus, weil sie meist groß, unverschattet und ganzjährig nutzbar sind. Anders als bei Wohngebäuden gibt es kaum Dachfenster, Gauben oder Schornsteine, die die nutzbare Fläche einschränken.
Mainz 05 nutzt bereits einen Solarcarport mit Ladestationen
Einen Schritt weiter ist der Bundesligist 1. FSV Mainz 05: Der Energieversorger Entega hat auf dem Vereinsgelände einen PV-Carport gebaut, der gleichzeitig als überdachter Parkplatz und als Ladestation für Elektroautos dient. Solarstrom vom Dach des Carports lädt damit unmittelbar die Fahrzeuge darunter, ohne Umweg über das öffentliche Netz.
Solche Kombinationen aus Solarcarport und Ladeinfrastruktur gelten als eine der effizientesten Formen der Doppelnutzung von Flächen: Parkfläche und Stromerzeugung teilen sich denselben Quadratmeter. Für Vereine, Betriebe oder Kommunen mit großen Parkplätzen ist das ein Modell, das sich ohne zusätzlichen Flächenverbrauch umsetzen lässt.
Vehicle Integrated Photovoltaics: Comeback nach der Pleitewelle
Um sogenannte Vehicle Integrated Photovoltaics (VIPV) – also Solarzellen, die direkt in die Karosserie von Fahrzeugen integriert sind – war es zuletzt ruhig geworden. Die Start-ups Sono Motors, bekannt für das Modell „Sion“, und der niederländische Hersteller Lightyear mit dem „Lightyear 0“ meldeten Insolvenz an, nachdem sie die Serienfertigung nicht wirtschaftlich stemmen konnten.
Trotz dieser Rückschläge hält die Idee an, weil das technische Potenzial groß bleibt: Jedes Fahrzeug, das ohnehin im Freien steht oder fährt, verfügt über Dach- und Karosserieflächen, die sich grundsätzlich zur Stromerzeugung nutzen lassen – zusätzlich zu jeder stationären Anlage auf einem Gebäude.
SolarMoves-Projekt: bis zur Hälfte des Energiebedarfs vom eigenen Dach
Neue Zahlen liefert das europäische Pilotprojekt SolarMoves: Elektrofahrzeuge mit integrierter Photovoltaik könnten demnach rund die Hälfte ihres jährlichen Energiebedarfs direkt über das Solardach decken. Besonders profitieren würde eine Fahrzeugklasse, die bislang selten im Zusammenhang mit Solarenergie genannt wird:
- Lkw verfügen über deutlich mehr Dach- und Aufbaufläche als Pkw und damit über mehr Platz für Solarzellen.
- Selbst Diesel-Lkw könnten von nachgerüsteter VIPV profitieren, etwa zur Versorgung von Kühlaggregaten oder Bordelektronik.
- Lange Standzeiten auf Betriebshöfen und Rastplätzen erhöhen den Solarertrag zusätzlich, da die Fläche auch im Stillstand weiter Strom liefert.
Was der Trend für Betriebe im Münsterland bedeutet
Auch abseits von Bundesliga-Stadien gibt es im Münsterland vergleichbares Potenzial: Speditionen, Handwerksbetriebe und Vereine mit großen Parkplätzen oder Fuhrparks könnten von Solarcarports profitieren, ohne zusätzliche Flächen versiegeln zu müssen. Wer eine bestehende Photovoltaik-Anlage um einen Energiespeicher ergänzt, kann selbst erzeugten Strom auch außerhalb der Sonnenstunden für Ladevorgänge nutzen.
Für Hausbesitzer in der Region ist vor allem die Kombination interessant: eine Dachanlage fürs Gebäude, ein kleinerer Carport für die Einfahrt. Beide Flächen lassen sich unabhängig voneinander planen und je nach Budget zeitversetzt umsetzen.
Einordnung: Wie realistisch ist der Trend?
Stadion-Solaranlagen und Solarcarports sind technisch ausgereift und bereits mehrfach umgesetzt – anders als Vehicle Integrated Photovoltaics, die über Pilotprojekte wie SolarMoves bislang kaum in Serie angekommen ist. Offen bleibt, wie sich die zusätzlichen Kosten für Solarzellen in der Fahrzeugkarosserie gegen den Ertrag rechnen, und ob Hersteller nach den Pleiten von Sono Motors und Lightyear erneut in Serienmodelle investieren. Bei stationären Lösungen wie Stadiondächern und Carports ist die Wirtschaftlichkeit dagegen längst belegt.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zu Solarcarports beraten lassen.
Quellen: solarserver.de · energie-experten.org