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668 GW Photovoltaik bis 2030: Strompreise fallen um 25 %

a couple of men working on a roof (Symbolbild: Photovoltaik)

Der europäische Photovoltaik-Verband Solarpower Europe hat auf dem Solarpower Summit in Brüssel ein Ausbauprogramm für erneuerbare Energien vorgelegt, das gleichzeitig Klimaziele sichern und Strompreise drücken soll. Kernaussage der Studie: 668 Gigawatt installierter Solarleistung und deutlich mehr Batteriespeicher könnten die Strompreise in Deutschland bis 2030 um 25 Prozent senken. Ausgerechnet jetzt plant Berlin eine EEG-Novelle, die Fachleute als Rückschlag für die Dach-Photovoltaik bewerten.

Auf dem Solarpower Summit in Brüssel stellte der europäische Photovoltaik-Verband Solarpower Europe Anfang Mai 2026 zwei Szenarien für den europäischen Energiemix bis 2030 gegenüber. Das Referenzszenario „Weiterso“ geht davon aus, dass unter aktuellen Rahmenbedingungen rund 574 Gigawatt Photovoltaik-Leistung in Europa installiert sein werden. Das optimierte „Solar+“-Szenario, das Rystad Energy im Auftrag von Solarpower Europe berechnet hat, kommt auf 668 Gigawatt – rund 16 Prozent mehr als im Basisfall.

Ausgearbeitet wurde die Studie von Per Magnus Nysveen, Co-Founder von Rystad Energy, und Michael Schmela, Leiter Marktforschung bei Solarpower Europe. Der Ansatz: Investitionen und Betrieb von Solar- und Windkraftanlagen, Speichersystemen und Übertragungsnetzen wurden gemeinsam optimiert – nicht isoliert nach einzelnen Technologien.

Mehr Speicher als Schlüssel zu günstigerem Strom

Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Szenarien liegt beim Ausbau von Energiespeichern. Im „Weiterso“-Pfad werden 116 Gigawatt an Kurzzeitspeichern mit durchschnittlich 2,3 Stunden Kapazität installiert. Das „Solar+“-Szenario sieht dagegen 170 Gigawatt an Speichern mit 3,5 Stunden Kapazität vor. Diese höhere Speichertiefe erlaubt es, mehr günstigen Solar- und Windstrom zu Zeiten zu nutzen, wenn Sonne und Wind fehlen.

Das Ergebnis: Der Anteil erneuerbarer Energien im europäischen Strommix steigt bis 2030 auf 68 Prozent statt auf 64 Prozent. Noch wichtiger für die Kosten ist ein weiterer Effekt: Die Zeitanteile, in denen teure Gaskraftwerke den Börsenpreis setzen, sinken von 82 auf 76 Prozent. Da Gaskraftwerke als Preis-Setter den gesamten Marktpreis mitbestimmen, drückt bereits dieser Rückgang die durchschnittlichen Stromkosten spürbar.

In Deutschland lägen die Strompreise im „Weiterso“-Szenario bereits 17 Prozent unter dem heutigen Niveau. Im optimierten „Solar+“-Pfad sind es 25 Prozent. Gleichzeitig würden die europäischen Gas-Importkosten bis 2030 um neun Milliarden Euro jährlich sinken – ein gewichtiges Argument in der Debatte über Europas Abhängigkeit von fossilen Importen.

Speicher steigern den wirtschaftlichen Wert des Solarstroms

Die Studienautoren verweisen auf einen ökonomischen Nebeneffekt: Ein größeres Speichervolumen erhöht den Marktwert des Solarstroms, weil mehr Strom zu wirtschaftlich attraktiven Zeiten abgesetzt werden kann. Das erlaubt einen höheren PV-Zubau mit geringerer staatlicher Förderung als in einem Szenario mit weniger Batteriespeichern. Ob dieser Effekt die Mehrkosten des verstärkten Speicherausbaus vollständig deckt, klärt die Studie allerdings nicht.

Solarpower Europe schlägt als politische Konsequenz einen sogenannten Flexibility-First-Ansatz vor: Netzplanung, Marktdesign und Regulierung sollen flexiblen Technologien – also Speichern und steuerbaren Lasten – konsequent Vorrang einräumen. Daneben soll die EU einen koordinierten Elektrifizierungsplan verabschieden und gezielte Investitionsanreize für Speicherprojekte schaffen.

EEG-Novelle gefährdet Dach-Solaranlagen

Während die EU-Ebene mehr Solarausbau einfordert, steuert der deutsche Referentenentwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in eine andere Richtung. Der Entwurf verschlechtert nach Einschätzung von Fachleuten die Rahmenbedingungen für Dach-Solaranlagen deutlich und setzt stärker auf den Ausbau von Freiflächenanlagen. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie warnt vor einem Einbruch im Segment der gebäudeintegrierten Photovoltaik und sieht die deutschen Klimaziele in Gefahr.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Dezentrale Dachanlagen in Kombination mit Heimspeichern gelten als zentrale Bausteine für die Netzflexibilisierung – genau jene Flexibilität, die das „Solar+“-Szenario als entscheidenden Hebel für günstigere Strompreise identifiziert. Eine geschwächte Förderung für Gebäudeanlagen dürfte den Speicherausbau im Haushaltsbereich bremsen und damit auch den volkswirtschaftlichen Nutzen mindern, den die Rystad-Studie berechnet hat.

Ob der EEG-Entwurf das parlamentarische Verfahren unverändert übersteht, bleibt offen. Verbände und Forschungsinstitute haben bereits Änderungsanträge angekündigt. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu den Einwänden des Wuppertal Instituts steht noch aus.

Für NRW-Hausbesitzer: Investition lohnt trotz EEG-Debatte

Für Hausbesitzer und Installateure ergibt sich eine klare Botschaft: Photovoltaik mit Speicher bleibt der wirtschaftlich sinnvolle Investitionspfad, unabhängig von kurzfristigen Förderschwankungen. Die europäische Studie belegt, dass jede installierte Kilowattstunde Batteriekapazität systemischen Nutzen erzeugt – für das Netz, für den Strompreis und für den einzelnen Anlagenbetreiber. Gleichzeitig empfiehlt sich Aufmerksamkeit: Die laufende EEG-Debatte kann Einspeisevergütungen und Netzentgelte innerhalb weniger Monate verändern.

KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt begleitet Kunden in NRW durch diese Marktentwicklungen und führt Solarkomponenten sowie Speichersysteme im Sortiment.

Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung und Speicherberatung beraten lassen.

Quellen: pv-magazine.de · Solarserver

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