Der Monatsmarktwert für Solarstrom ist im Mai 2026 auf 3,163 Cent pro Kilowattstunde gestiegen – nach dem historischen Tiefstand im April eine deutliche Erholung. Die Übertragungsnetzbetreiber meldeten gleichzeitig steigende Marktwerte für Windenergie an Land und auf See.
Der Monatsmarktwert Solar gibt an, zu welchem nach Einspeisung gewichteten Durchschnittspreis Solarstrom im jeweiligen Monat am Spotmarkt der EPEX SPOT gehandelt wurde. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber – Amprion, TenneT, TransnetBW und 50Hertz – veröffentlichen diesen Wert monatlich auf der Plattform netztransparenz.de. Er ist keine abstrakte Marktgröße, sondern hat unmittelbare finanzielle Auswirkungen für alle Betreiber, die ihre Photovoltaik-Anlage im Rahmen der Direktvermarktung betreiben.
Grundlage ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): Anlagen oberhalb bestimmter Schwellenwerte erhalten statt einer fixen Einspeisevergütung eine sogenannte Marktprämie. Diese Prämie gleicht die Lücke zwischen dem regulierten Referenzwert – dem anzulegenden Wert – und dem tatsächlich erzielten Monatsmarktwert aus. Ist der Marktwert niedrig, fließt eine höhere Prämie aus dem EEG-Topf; ist er hoch, sinkt die staatliche Zuzahlung entsprechend.
April 2026: Historischer Tiefstand
Dass der Wert im April 2026 auf ein historisches Tief fiel, überrascht Fachleute nur bedingt. Der Monat April vereint zwei ungünstige Faktoren: Zum einen steigen mit den längeren Tagen und der stärkeren Sonneneinstrahlung die Einspeisemengen aus PV-Anlagen erheblich. Zum anderen bleibt die Stromnachfrage in den Übergangsjahreszeiten noch vergleichsweise moderat – Heizung läuft kaum noch, Klimaanlagen noch nicht.
In diesem Marktumfeld zeigt der sogenannte Merit-Order-Effekt seine volle Wirkung: Zu Stunden mit Spitzenerzeugung verdrängen erneuerbare Energien teuerere Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt und drücken den Spotpreis mitunter in den negativen Bereich. Da der Monatsmarktwert nach Einspeisung gewichtet wird – mehr Erzeugung in Niedrigpreiszeiten bedeutet mehr Gewicht dieser Stunden –, sinkt der Gesamtwert stark.
Mai-Erholung: Saisonales Muster bestätigt sich
Der Anstieg auf 3,163 Cent pro Kilowattstunde im Mai folgt einem Muster, das aus den Vorjahren bekannt ist. Im Mai nimmt der solare Mehrertrag gegenüber April leicht ab, während Wirtschaftsaktivität und Nachfrage anziehen. Gleichzeitig können kurzfristige Bewölkungsperioden oder Temperaturschwankungen die Einspeisung begrenzen und so den Marktpreis stabilisieren.
Absolut betrachtet liegt 3,163 Cent pro Kilowattstunde jedoch deutlich unter dem Preisniveau, das vor dem massiven Solarausbau der vergangenen Jahre üblich war. Die strukturelle Entwicklung am Strommarkt ist eindeutig: Mit jedem weiteren Gigawatt Photovoltaik-Kapazität, das ans Netz geht, steigen die Niedrigpreisstunden im Tagesprofil. Das drückt den Monatsmarktwert für Solar langfristig nach unten.
Windenergie ebenfalls im Plus
Nicht nur der Solarmarktwert zog an: Auch die Marktwerte für Windenergie an Land sowie für Offshore-Windstrom stiegen im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat. Da Wind und Sonne unterschiedliche Einspeisekurven aufweisen – Wind produziert häufig nachts und in den Morgenstunden, wenn Solarstrom fehlt –, lagen die Windmarktwerte über mehrere Monate hinweg deutlich höher als der Solarwert. Dass beide Werte im Mai stiegen, spricht für eine insgesamt weniger angespannte Einspeiselage ohne extreme Überschusssituationen.
Für Betreiber kombinierter Systeme aus PV-Anlage und Energiespeicher bietet die Marktwertspreizung zwischen Solar und Wind einen interessanten Hinweis: Wer Strom in Niedrigpreiszeiten zwischenspeichert und später einspeist, kann – je nach Direktvermarktungsvertrag – von günstigeren Preisfenstern profitieren.
Bedeutung für Anlagenbetreiber und Planungen
Für private Hausbesitzer mit kleineren Anlagen unter acht Kilowatt-Peak, die noch die feste Einspeisevergütung nach EEG erhalten, hat der Monatsmarktwert keinen direkten Einfluss auf die monatliche Auszahlung. Anders sieht es bei größeren Gewerbeanlagen, Freiflächenanlagen und allen Systemen aus, die bereits in der Direktvermarktung sind: Hier bestimmt der Monatsmarktwert zusammen mit dem anzulegenden Wert die tatsächlichen Erlöse.
Planungsseitig ist der langfristige Trend zu sinkenden Marktwerten ein Argument für erhöhten Eigenverbrauch: Wer den selbst erzeugten Strom direkt im Haus oder Betrieb nutzt, ist vom Marktpreis unabhängig und spart die Kosten für Netzbezug. In Kombination mit einem Heimspeicher lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf 70 bis 90 Prozent der Jahreserzeugung steigern – und macht Schwankungen beim Monatsmarktwert weitgehend irrelevant.
KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt beobachtet die Marktwertentwicklung für gewerbliche und private Kunden in NRW und bezieht diese Trends in die Wirtschaftlichkeitsplanung neuer PV-Projekte ein.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung und Wirtschaftlichkeitsberechnung beraten lassen.
Quellen: Solarserver