In Wadersloh im Kreis Warendorf ist eine der größten Agri-Photovoltaik-Anlagen Deutschlands ans Netz gegangen. Auf 17 Hektar sichern 40.000 Solarmodule künftig nicht nur Stromerlöse, sondern auch die Ernte von Heidelbeerbauer Philipp Hoberg.
Photovoltaik und Heidelbeeranbau auf einer Fläche
Die neue Anlage in Wadersloh verbindet zwei Nutzungen auf derselben Fläche: Landwirt Philipp Hoberg baut auf 17 Hektar Heidelbeeren an, gleichzeitig erzeugt eine Photovoltaik-Anlage Solarstrom. Die Kombination aus Landwirtschaft und Energieerzeugung, in der Fachsprache Agri-Photovoltaik genannt, ist in Deutschland noch selten in dieser Größenordnung umgesetzt. Für Hoberg bedeutet die Anlage vor allem eines: zusätzliche Einnahmen aus dem Verkauf von Solarstrom, unabhängig vom Ertrag der Heidelbeerernte. Zugleich sollen die aufgeständerten Module die Kulturen vor Hagel, praller Sonne und Starkregen schützen – ein Vorteil, der angesichts zunehmender Wetterextreme an Bedeutung gewinnt. Die Anlage ging am Donnerstag offiziell in Betrieb und zählt mit ihrer Kombination aus Fläche und Leistung zu den größten Agri-Photovoltaik-Projekten bundesweit.
23 Megawatt auf 17 Hektar: die technischen Eckdaten
- Leistung: 23 Megawatt
- Fläche: 17 Hektar
- Solarmodule: 40.000 Stück, teils Ost-West-, teils Südausrichtung
- Vermarktung: Direktvermarktung am Strommarkt, außerhalb der gesetzlichen Einspeisevergütung
Die Ost-West-Ausrichtung eines Teils der Module sorgt für einen gleichmäßigeren Lichteinfall über den Tag und wirft weniger durchgehenden Schatten auf die Heidelbeersträucher als eine reine Südausrichtung. Wegen der Größe der Anlage greift die reguläre Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht – die Betreiber vermarkten den erzeugten Strom stattdessen direkt am Strommarkt. Dieses Modell wird bei Freiflächenanlagen dieser Dimension zunehmend zum Standard, da es unabhängiger von gesetzlichen Vergütungssätzen macht, aber auch ein höheres Preisrisiko bedeutet.
Landesförderung durch progres.nrw
Möglich wurde das Projekt auch durch die Landesförderung progres.nrw im Bereich Klimaschutztechnik, mit der Nordrhein-Westfalen innovative Energieprojekte bezuschusst. Die Energieagentur NRW.Energy4Climate begleitete das Vorhaben nach eigenen Angaben von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Solche Förderprogramme richten sich gezielt an Projekte, die klassische Fördermechanismen wie das EEG ergänzen oder deren Größenordnung sprengen. Für Landwirte, die über eine Doppelnutzung ihrer Flächen nachdenken, zeigt das Beispiel Wadersloh, dass Landesmittel eine wichtige Rolle bei der Finanzierung spielen können – Details zu den Förderbedingungen sind über progres.nrw öffentlich einsehbar.
Sigenergys Werbung für Solarpark-Lösungen im Marktkontext
Parallel zur Inbetriebnahme in Wadersloh bewirbt der Hersteller Sigenergy auf photovoltaik.eu eigene Lösungen für Solarparks. Konkrete technische Angaben oder Projektbeispiele liefert die Meldung nicht, weshalb sie an dieser Stelle nur als Marktsignal einzuordnen ist: Immer mehr Hersteller von Energiespeichern und Wechselrichtern positionieren sich gezielt für große Freiflächen- und Agri-Photovoltaik-Projekte, weil dort der Bedarf an Netzanschluss- und Speicherlösungen wächst. Sigenergy konkurriert in diesem Segment unter anderem mit etablierten Anbietern wie Huawei, SMA oder Kostal. Ob sich das Unternehmen im deutschen Solarpark-Geschäft dauerhaft behaupten kann, bleibt offen – belastbare unabhängige Vergleichsdaten zu Wirkungsgrad, Ausfallsicherheit oder Service vor Ort liegen bislang kaum vor.
Bedeutung für Hausbesitzer und Betriebe im Münsterland
Wadersloh liegt im Kreis Warendorf und damit nur rund 20 Kilometer von Drensteinfurt entfernt – mitten im Liefergebiet von KW Baustoffe. Auch wenn ein Einfamilienhaus im Münsterland keine 17 Hektar Dachfläche hat, zeigt das Projekt einen Trend, der auch private Bauherren betrifft: Direktvermarktung und Eigenverbrauch gewinnen gegenüber der reinen EEG-Einspeisevergütung an Bedeutung. Für ein typisches Einfamilienhaus mit einer 10-kWp-Anlage und einem Batteriespeicher lassen sich je nach Verbrauch und Strompreis mehrere Hundert Euro pro Jahr zusätzlich einsparen, wenn ein größerer Anteil des Solarstroms selbst genutzt statt eingespeist wird. Landwirtschaftliche Betriebe in der Region, die über eigene Flächen für eine Freiflächenanlage verfügen, können sich am Beispiel Wadersloh orientieren, wie sich Energieerzeugung und bestehende Nutzung kombinieren lassen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung beraten lassen.
Quellen: photovoltaik.eu · pv-magazine.de