Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat auf dem BDEW-Kongress 2026 in Berlin angekündigt, das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Netzpaket noch vor der parlamentarischen Sommerpause ins Kabinett zu bringen. Gleichzeitig plant die Bundesregierung, künftig alle PV-Anlagen in Kombination mit Energiespeichern zu fördern – ein Signal, das Installateure und Anlagenbetreiber seit Langem erwarten.
Auf dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)-Kongress Mitte Juni 2026 in Berlin präsentierte Reiche erstmals konkrete Zahlen zur Lage der Energiewende: 23 Gigawatt Erneuerbare wurden 2025 neu installiert. Doch die Ministerin mahnte auch die Kehrseite an – im vergangenen Jahr gab es fünf Tage Dunkelflaute sowie 40 Tage, an denen der Anteil Erneuerbarer an der Stromerzeugung unter 20 Prozent lag. An 79 weiteren Tagen blieb dieser Anteil unter 30 Prozent. Hinzu kamen 579 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen – eine direkte Belastung für Bundeshaushalt und Verbraucher gleichermaßen.
EEG-Zeitplan: Zwei Sitzungswochen bleiben
„Das EEG muss zum Ende des Jahres stehen“, bekräftigte Reiche. Bis zur Sommerpause verbleiben nur noch zwei Bundestags-Sitzungswochen. Der Druck ist real: Die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission für die bisherige EEG-Förderung läuft zum Jahresende aus. Ohne Anschlusslösung wären ab Januar 2027 keine neuen Anlagen mehr förderungsfähig. Auch das neue EEG muss erneut von Brüssel genehmigt werden – was erheblichen zeitlichen Vorlauf benötigt.
Das Kraftwerksgesetz (StromVKG), das die Grundlage für steuerbare Backup-Kapazitäten legt, hat das Kabinett bereits passiert. Im zweiten Halbjahr 2025 sollen auf seiner Basis zehn Gigawatt steuerbare Leistung mit Langzeitvertrag sowie zwei weitere Gigawatt ohne dieses Kriterium ausgeschrieben werden.
Photovoltaik: Vom Dach in die Fläche
Inhaltlich zeichnet sich ein klarer Kurswechsel ab: Reiche will einen „Shift vom Dach in die Fläche“. Freiflächen-Photovoltaik soll künftig gegenüber Dachanlagen priorisiert werden. Zudem sollen alle PV-Anlagen direkt mit einem Energiespeicher kombiniert werden – ein Ansatz, den Netzbetreiber und Verbände schon länger fordern, um negative Preisstunden zu dämpfen.
Die bisherige Praxis, jährlich zwischen EEG-Vergütung und förderfreien Direktvermarktungsverträgen (Power Purchase Agreements, PPAs) wechseln zu können, soll ebenfalls enden. Künftig sollen Betreiber einmalig wählen – entweder EEG-Förderung oder PPA, aber nicht beides im Wechsel. Dazu kommen doppelseitige Differenzverträge als neues Instrument, das Marktpreisrisiken beidseitig absichern soll.
Bemerkenswert ist, was Reiche auf dem Kongress nicht wiederholte: ihre kurz zuvor öffentlich diskutierte Forderung, die Solarförderung für private Dachanlagen abzuschaffen. Stattdessen sprach sie von einer Vereinheitlichung der Fördersätze – künftig ein einheitlicher Satz für alle PV-Anlagen, ob Dach oder Freifläche. Wie hoch dieser Satz ausfällt, blieb offen.
Netzentgelt-Reform: Neue Lasten für Prosumer
Parallel zur EEG-Debatte rückt die Bundesnetzagentur mit einer Reform der Stromnetzentgelte in den Fokus. Im Kern geht es um die Beteiligung von Anlagenbetreibern und sogenannten Prosumern – Haushalten, die sowohl Strom erzeugen als auch einspeisen – an den Netzkosten. Bislang zahlen Eigenverbraucher Netzentgelte nur auf den bezogenen Strom. Das Modell gerät unter Druck, weil das Netz asymmetrisch belastet wird: Erzeugung und Verbrauch fallen räumlich und zeitlich auseinander.
Diskutiert werden sogenannte Einspeise-Entgelte – Gebühren, die Anlagenbetreiber für die Netzeinspeisung zahlen würden. Das würde die Wirtschaftlichkeit vieler PV-Dachanlagen und Heimspeicher-Kombinationen direkt beeinflussen. Ein konkreter Kabinettsbeschluss steht noch aus; die Bundesnetzagentur hat die Konsultation noch nicht abgeschlossen.
Branche wartet auf Planungssicherheit
Die Branche bewertet die Ankündigungen zwiespältig. Einerseits schafft der Fokus auf Co-Location – also die Kombination aus PV-Anlage und Batteriespeicher – mittelfristig Planungssicherheit für Integratoren und Installateure. Andererseits bleibt offen, wie die Speicherpflicht konkret ausgestaltet wird: als Fördervoraussetzung, als Netzanschluss-Bedingung oder als gesetzliche Vorgabe. Ob Bestandsanlagen betroffen sind, ließ Reiche ebenfalls offen.
Die gleichzeitige Reform der Netzentgelte erhöht die Unsicherheit zusätzlich. Wer heute eine Solaranlage plant, kalkuliert mit Einspeisevergütungen und Eigenverbrauchsvorteilen, die sich durch beide Reformen gleichzeitig verschieben könnten. Installateure und Planer sollten ihre Angebote auf dieses Szenario vorbereiten und Kunden proaktiv auf mögliche Änderungen hinweisen.
KW Baustoffe GmbH aus Drensteinfurt beobachtet die laufende EEG-Novelle und die Netzentgelt-Debatte kontinuierlich und informiert Kunden sowie Partner über relevante Entwicklungen für den nordrhein-westfälischen Markt.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung und aktuellen EEG-Förderberatung beraten lassen.
Quellen: pv-magazine.de · sonnenseite.com