Inhaltsverzeichnis

Tags:

EEG-Novelle: Reiche macht kaum Zugeständnisse an Kritiker

EEG-Novelle | KW Baustoffe GmbH

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die EEG-Novelle und das Netzpaket nur wenig verändert in die Verbändeanhörung geschickt – noch im Juli soll das Kabinett entscheiden. Parallel zeigt das Projekt Energiespenden 2.0 in Österreich, wie überschüssiger Solarstrom direkt bei armutsgefährdeten Haushalten ankommen kann.

EEG-Novelle ohne große Kurskorrektur

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 17. Juli 2026 seine Entwürfe für die EEG-Novelle und das sogenannte Netzpaket in die Verbändeanhörung gegeben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will beide Gesetze noch im Juli 2026 durchs Kabinett bringen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt seit über zwei Jahrzehnten Förderung und Rahmenbedingungen für Solar-, Wind- und Bioenergieanlagen in Deutschland, das Netzpaket soll ergänzend Fragen rund um Netzentgelte, Netzanschluss und Netzausbau ordnen.

Verglichen mit der im Februar 2026 bekannt gewordenen Fassung hat Reiche nach Einschätzung der Fachredaktion Solarthemen nur wenige Zugeständnisse an ihre Kritiker gemacht. Die eigentliche inhaltliche Auseinandersetzung dürfte damit erst in der laufenden Anhörung beginnen, deren Ergebnis über die endgültige Fassung von EEG-Novelle und Netzpaket entscheidet, bevor beide Gesetze ins Kabinett gehen.

Österreich zeigt, wie Solarstrom Energiearmut lindern kann

Während in Berlin über Gesetzestexte verhandelt wird, ist in Österreich ein sehr konkretes Modell bereits in der zweiten Ausbaustufe angekommen. Rund 360.000 Menschen gelten dort laut einer EU-Gemeinschaftsstatistik als von Energiearmut betroffen, etwa vier Prozent aller Haushalte im Land. Sie können sich ihre Wohnung im Winter nicht ausreichend warm halten.

Genau hier setzt das Projekt Energiespenden 2.0 an, das Salzburg Research gemeinsam mit den Organisationen Our Power, Enixi und Robin Powerhood aufgesetzt hat. Robin Powerhood betreibt bereits seit 2023 eine österreichweite Energiegemeinschaft, in der Betreiber von Photovoltaikanlagen überschüssigen Strom an bedürftige Haushalte abgeben. „Wir haben seither rund 750 Megawattstunden Strom im Wert von etwa 100.000 Euro gespendet“, erklärt Projektmitarbeiter Valentin Neuhauser. Die Zahl der Spenderinnen und Spender habe sich allein in den vergangenen vier Monaten vervierfacht.

Technische Hürden: 15-Minuten-Takt bremst die Wirkung

Das bestehende Modell stößt an Grenzen, weil Erzeugung und Verbrauch in Viertelstundenwerten verrechnet werden. Wird in einem solchen Zeitfenster mehr Strom gespendet, als der Empfängerhaushalt gerade verbraucht, geht der Überschuss ungenutzt verloren. Im umgekehrten Fall muss der fehlende Reststrom teuer über reguläre Stromanbieter nachgekauft werden.

Salzburg Research erprobt deshalb im Rahmen von Energiespenden 2.0 eine technische Lösung, die überschüssige gespendete Energie bündelt, bevor sie verpufft. „Die Bereitschaft, überschüssigen Strom zu teilen, ist bereits deutlich vorhanden“, sagt Projektleiter Stefan Linecker. Entscheidend sei nun, die Energie technisch und organisatorisch so zu bündeln, dass möglichst wenig davon ungenutzt bleibt, und zwar auch dann noch, wenn die Teilnehmerzahl deutlich steigt.

Am Projekt beteiligt sind:

  • Salzburg Research – technische Entwicklung und Projektkoordination
  • Our Power – digitaler Strommarktplatz für Ökostrom, unter anderem mit einem „Family&Friends“-Tarif ab 1 Cent pro Kilowattstunde
  • Enixi und Robin Powerhood – Aufbau von Spenden- und Vollversorgungsmodellen für energiearme Haushalte

Zusätzlich zur Technik arbeitet das Konsortium an Abrechnungsmodellen für Kommunen und Gebietskörperschaften sowie an neuen Finanzierungswegen. Langfristig sollen mehrere zehntausend Haushalte teilnehmen können, mit einem möglichen jährlichen Spendenvolumen im zweistelligen Gigawattstundenbereich.

Was das für Hausbesitzer im Münsterland bedeutet

Auch in Deutschland ist das Teilen von selbst erzeugtem Solarstrom als sogenanntes Energy Sharing inzwischen gesetzlich verankert, in der Praxis aber noch wenig verbreitet. Ob die aktuelle EEG-Novelle die Rahmenbedingungen dafür spürbar vereinfacht, lässt sich vor Abschluss der Verbändeanhörung noch nicht seriös vorhersagen.

Für Eigenheimbesitzer im Münsterland bleibt der wirtschaftlichste Weg, überschüssigen Solarstrom sinnvoll zu nutzen, weiterhin ein eigener Batteriespeicher. Eine typische Anlage mit rund 8 kWp und passendem Speicher deckt einen deutlich größeren Teil des Eigenverbrauchs ab, bevor überhaupt Überschuss ins Netz oder in ein mögliches Spendenmodell fließen würde. Wie sich Eigenverbrauch, Einspeisung und künftige Teilmodelle für die eigene Anlage sinnvoll kombinieren lassen, ist eine Frage, die in der Beratung vor Ort in Drensteinfurt regelmäßig aufkommt.

Offen bleibt, ob sich das österreichische Modell eins zu eins auf Deutschland übertragen lässt. Die energierechtlichen Rahmenbedingungen, Netzentgelte und Abrechnungsprozesse unterscheiden sich in wesentlichen Punkten zwischen beiden Ländern. Klar ist aber, dass sowohl die Debatte um die EEG-Novelle als auch Pilotprojekte wie Energiespenden 2.0 zeigen, wie sehr sich die Energiewende derzeit zwischen Regulierung und sozialer Verantwortung bewegt.

Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zu den Auswirkungen der EEG-Novelle auf die eigene Photovoltaikanlage beraten lassen.

Quellen: pv-magazine.de · solarserver.de

Tags: