Deutschland brauche beim Ausbau intelligenter Stromzähler dringend mehr Tempo, sonst gerate die Energiewende ins Stocken. Das sagt Transformationsexperte Christian Heep im Gespräch mit der Fachpresse. Er sieht im Smart-Meter-Rollout keine bloße regulatorische Pflichtübung, sondern die Datengrundlage für ein funktionierendes Stromnetz der Zukunft.
Jahrelanger Rückstand beim Rollout
Christian Heep, Transformationsexperte für die Energiewirtschaft, zieht im Gespräch mit der Fachpresse eine kritische Bilanz: Deutschland habe beim Ausbau intelligenter Messsysteme viel Zeit verloren. Der Rollout habe zwar inzwischen an Fahrt gewonnen, im europäischen Vergleich bestehe aber weiterhin deutlicher Nachholbedarf.
Als Kernproblem nennt Heep die politische und regulatorische Ausrichtung der vergangenen Jahre. Smart Meter seien lange primär als Pflichtprojekt behandelt worden, nicht als strategische Infrastruktur. „Dadurch standen über Jahre vor allem technische Vorgaben, Zertifizierungen und Sicherheitsanforderungen im Vordergrund, während der konkrete Nutzen für Verbraucher, Netzbetreiber oder Energiedienstleister zu wenig sichtbar wurde“, sagt Heep.
Hinzu komme die Komplexität des deutschen Energiesystems: hohe Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit, viele beteiligte Akteure und mehrere regulatorische Ebenen gleichzeitig. Das habe den Ausbau spürbar verlangsamt, so Heep weiter. Auch die Netzbetreiber selbst mussten ihre Prozesse für Einbau, Betrieb und Abrechnung der neuen Zähler erst aufbauen, was zusätzlich Zeit gekostet habe und den Rollout in der Fläche verzögerte.
Ohne Datengrundlage keine Energiewende
Für Heep ist die Lage inzwischen eindeutig: Ohne digitale Transparenz werde die Energiewende nicht gelingen. Mit dem Zubau von Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen, Batteriespeichern und Elektroautos steigen die Anforderungen an die Stromnetze massiv. Intelligente Messsysteme lieferten dafür die notwendige Datenbasis, so Heep. Sie machten Energieflüsse erstmals sichtbar und verknüpften Verbrauch, Erzeugung und Flexibilität miteinander.
Damit werde der Smart Meter zur Grundlage für Flexibilisierung, netzdienliche Steuerung und intelligente Lastverschiebung im Energiesystem. Heep betont: Ein Smart Meter sei kein simpler neuer Stromzähler, sondern ein zentraler Baustein der digitalen Transformation der Energiebranche und für den Aufbau einer funktionierenden Green Economy.
Vom Zähler zum echten Smart Grid
Ein flächendeckender Rollout allein reiche jedoch nicht aus, um von einem intelligenten Stromnetz sprechen zu können, so Heep. Der eigentliche Mehrwert entstehe erst durch die Vernetzung mit anderen Systemen. Intelligente Messsysteme müssten künftig deutlich enger mit Energiemanagementsystemen, Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität, Wärmepumpen und dezentralen Speichern zusammenarbeiten. Erst dadurch entstehe ein echtes Smart Grid.
Besonders wichtig werde dabei die Fähigkeit zur netzdienlichen Steuerung, erklärt Heep. Energie werde künftig nicht mehr ausschließlich zentral erzeugt und verteilt, sondern zunehmend dezentral und dynamisch genutzt. Verbrauch und Erzeugung müssten deshalb flexibler aufeinander abgestimmt werden als bisher, um Netzengpässe zu vermeiden und Redispatch-Maßnahmen zu reduzieren.
Bedeutung für Verbraucher
Für Hausbesitzer und Betreiber von Photovoltaik-Anlagen bedeutet diese Entwicklung: Wer heute in Erzeugung, Speicherung und Ladeinfrastruktur investiert, profitiert langfristig von Netzentgelten, die sich stärker an tatsächlichen Verbrauchsmustern orientieren, sowie von einer stabileren Netzintegration. Voraussetzung bleibt allerdings, dass der Rollout intelligenter Messsysteme in den kommenden Jahren spürbar an Tempo gewinnt und die Systeme tatsächlich vernetzt zum Einsatz kommen.
Auch für Installateure und Fachbetriebe wächst die Bedeutung der Zählertechnik: Wärmepumpen, Speicher und Wallboxen lassen sich nur dann netzdienlich steuern, wenn die zugrunde liegende Messinfrastruktur die entsprechenden Daten liefert. Der Smart Meter wird damit vom Randthema der Installation zu einem zentralen Planungsfaktor für Neubau- und Sanierungsprojekte in den kommenden Jahren.
KW Baustoffe GmbH aus Drensteinfurt beobachtet die Entwicklung rund um intelligente Messsysteme mit Blick auf die eigene Kundschaft in Nordrhein-Westfalen, da Photovoltaik-, Speicher- und Wärmepumpenprojekte zunehmend von einer funktionierenden Netzanbindung abhängen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik- und Speicherplanung im Zusammenhang mit dem Smart-Meter-Rollout beraten lassen.
Quellen: elektrowirtschaft.de