Zwei Meldungen markieren die aktuelle Richtung des deutschen PV-Markts: Ein Industriekonsortium plant Deutschlands wohl größte DC-gekoppelte Solaranlage mit dezentralen Speichern, während das Fraunhofer ISE gleichzeitig vor einem Einbruch der Investitionen in Kleinanlagen warnt. Auslöser für die Warnung ist ein politischer Vorstoß, die gesetzliche EEG-Einspeisevergütung für Anlagen bis 25 kWp zu streichen.
Sigenergy, Arausol und Memodo: Rekordprojekt mit dezentralen Speichern
Das Unternehmen Sigenergy und seine Partner Arausol und Memodo kündigen an, eine DC-gekoppelte PV-Großanlage mit dezentralen Energiespeichern zu entwickeln, die Deutschlands bisherige Maßstäbe in diesem Segment übertreffen soll. Bei DC-Kopplung (Gleichstromkopplung) sind Solarmodule und Batterie auf der Gleichstromseite verbunden — noch bevor ein Wechselrichter den Strom ins Netz einspeist. Das steigert den Systemwirkungsgrad, weil Wandlungsverluste sinken.
Über konkrete Standorte, geplante Gesamtleistung oder einen Inbetriebnahmetermin liegen bisher keine öffentlichen Details vor. Der Begriff „Deutschlands größte“ stammt aus der Eigendarstellung des Projektkonsortiums und ist unabhängig nicht verifizierbar. Im Markt für Gewerbe- und Industriespeicherlösungen konkurrieren neben Sigenergy auch andere Anbieter um Großprojekte dieser Art.
Der Ansatz mit dezentralen Speichern unterscheidet sich von klassischen zentralen Batterie-Blöcken: Mehrere kleinere Einheiten werden über die Anlage verteilt — das erhöht die Redundanz und ermöglicht eine flexiblere Reaktion auf lokale Verbrauchssituationen. Ob das gegenüber zentralen Lösungen wirtschaftlich vorteilhaft ist, hängt von Netzanschlussbedingungen und Betriebskonzept ab.
Fraunhofer ISE warnt: Direktvermarktung ersetzt EEG-Vergütung nicht
Parallel dazu zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) erhebliche Risiken für den Kleinanlagen-Markt auf. Hintergrund ist der politische Vorschlag, die gesetzliche Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen bis 25 Kilowatt-Peak (kWp) abzuschaffen und Betreiber stattdessen in die Direktvermarktung zu schicken.
Das Ergebnis der Fraunhofer-Analyse ist eindeutig: Die Direktvermarktung kann die wegfallende EEG-Vergütung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) nicht vollständig kompensieren. Viele Anlagenkonzepte würden wirtschaftlich schlechter dastehen als heute. Besonders betroffen wären Hausbesitzer, die mit einer festen Einspeisevergütung über 20 Jahre kalkuliert haben.
Das ISE untersuchte auch mögliche Ausweichstrategien für Anlagenkäufer: kleinere Anlagen bauen, größere Stromspeicher integrieren oder dynamische Stromtarife nutzen. Das Fazit ist ernüchternd: Keine dieser Optionen könnte allein einen deutlichen Rückgang beim PV-Zubau verhindern.
Was die Streichung der Einspeisevergütung bedeutet
Das Fraunhofer ISE erwartet bei einem Wegfall der EEG-Vergütung eine deutliche Verringerung der Investitionen in private PV-Anlagen. Das würde nicht nur den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen, sondern auch Installateure und Hersteller treffen, die vom kontinuierlichen Zubau abhängen.
Die Direktvermarktung — der Verkauf des erzeugten Solarstroms zu Börsenstrompreisen statt zu einem gesetzlich garantierten Festpreis — funktioniert für Großanlagen ab mehreren hundert Kilowatt deutlich besser: Vermarktungskosten und Preisschwankungsrisiken verteilen sich auf erheblich mehr Megawattstunden. Für eine 10-kWp-Anlage auf dem Einfamilienhaus ist das Modell wirtschaftlich kaum tragfähig.
Planungsunsicherheit verstärkt das Problem: Wer eine Anlage über 20 Jahre finanziert, braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Der Wegfall garantierter Vergütungen würde viele potenzielle Käufer zurückhalten, noch bevor sie die erste Anfrage stellen.
Zwei Welten, eine Energiewende
Die beiden Meldungen zeigen eine strukturelle Spannung im deutschen Solarmarkt. Auf der einen Seite wachsen die Ambitionen für DC-Großprojekte mit professionellen Betreibern und industriellem Vermarktungsmodell. Auf der anderen Seite hängt die Energiewende in der Fläche von Millionen privater Kleinanlagen ab — und genau diese würden durch die diskutierte EEG-Reform unter Druck geraten.
Die Bundesregierung steht vor einer klaren Abwägung: Marktnähe für industrielle Akteure oder ein stabiler Förderrahmen für Hausbesitzer und Kleingewerbe. Das Fraunhofer ISE hat diese Frage für Anlagen bis 25 kWp klar beantwortet: Der Markt trägt sich ohne staatliche Vergütung aktuell noch nicht selbst.
Für Hausbesitzer und Installateure, die eine Anlage planen, gilt: Wirtschaftlichkeitsberechnungen sollten auch ein Szenario ohne garantierte Einspeisevergütung einschließen. KW Baustoffe GmbH aus Drensteinfurt versorgt Fachbetriebe und Bauherren in NRW mit den passenden Komponenten für wirtschaftlich geplante Solaranlagen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung und Wirtschaftlichkeitsberechnung beraten lassen.
Quellen: photon.info · energie-experten.org