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Stromspeicher: Netzentgelte bedrohen 6,5-Mrd.-Investment

Stromspeicher Netzentgelte | KW Baustoffe GmbH

Der geplante 900-Megawatt-Batteriespeicher in Waltrop (NRW) hat am 15. Mai 2026 die letzten behördlichen Genehmigungen erhalten. Die endgültige Investitionsentscheidung steht trotzdem noch aus – denn die ungelöste Frage nach künftigen Netzentgelten für Stromspeicher lähmt den gesamten deutschen Speichermarkt.

Drei unabhängige Studien der Analyseunternehmen AFRY, Aurora Energy Research und Modo Energy kommen übereinstimmend zu einem alarmierenden Befund: Schon geringe Netzentgelte können die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern so stark beeinträchtigen, dass privatwirtschaftliche Investitionen ausbleiben. Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) warnte, dass Deutschland den notwendigen Speicherausbau dann über teure staatliche Subventionen finanzieren müsste.

Das AgNes-Verfahren und seine Tragweite

Im Zentrum der Debatte steht das Regulierungsverfahren AgNes der Bundesnetzagentur, das klären soll, ob und in welcher Höhe Stromspeicher künftig Netznutzungsentgelte zahlen müssen. Derzeit gilt für Anlagen, die bis August 2029 in Betrieb gehen, nach Paragraf 118 Absatz 6 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) eine Befreiung von Netzentgelten. Diese Übergangsregelung läuft aus – und was danach kommt, ist politisch noch nicht entschieden.

Laut BVES-Vertreter Gerrit Lühring laufen auf Basis dieser Regelung aktuell Speicherprojekte mit einem Investitionsvolumen von rund 6,5 Milliarden Euro. Schon die Diskussion über mögliche rückwirkende Änderungen hat spürbare Folgen: Finanzierungskosten steigen, Risikoaufschläge erhöhen sich, und Investitionsentscheidungen werden verschoben oder ganz aufgegeben.

Knappe Margen, hohes regulatorisches Risiko

Die Studien erklären, warum der Markt so empfindlich auf regulatorische Unsicherheiten reagiert. Die internen Renditen (Internal Rate of Return, IRR) von Speicherprojekten liegen mit 10 bis 15 Prozent häufig nur knapp über der erforderlichen Mindestrendite von rund 10 Prozent. Das Geschäftsmodell ist selbst unter günstigen Rahmenbedingungen kein Selbstläufer.

Erschwerend kommen flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) hinzu, die Netzbetreiber neuen Speicherprojekten zunehmend auferlegen. Sie beschränken den Betrieb – etwa durch Rampenbegrenzungen oder den Ausschluss aus Regelleistungsmärkten – und reduzieren die Erlösmöglichkeiten erheblich. Zusammen mit zusätzlichen Netzentgelten könnten solche Auflagen die ohnehin schmalen Margen vollständig aufzehren.

Systemstabilität als gesamtgesellschaftliche Frage

Stromspeicher gelten laut EnWG als Anlagen in „überragendem öffentlichen Interesse“. Sie gleichen volatile Einspeisung aus Solar- und Windenergie aus, senken Redispatch-Kosten und entlasten das Netz in Milliardenhöhe. Bleiben private Investitionen aus, steigen Redispatch-Ausgaben und Netzentgelte für Verbraucher – eine negative Rückkopplungsschleife, die das gesamte System belastet.

Der BVES warnt: Eine regulatorisch bedingte Investitionspause würde zu einer mehrjährigen Flexibilitätslücke führen. Neue Projekte könnten frühestens nach 2028 sicher geplant werden, was die Realisierungszeiträume bis weit in die 2030er-Jahre verschieben würde.

Waltrop 900 MW: Genehmigt – Investition noch offen

Besonders anschaulich zeigt sich das Dilemma am Großprojekt des Energiedienstleisters Trianel in Waltrop. Der Trianel Batteriepark Waltrop mit einer installierten Leistung von 900 Megawatt erhielt am 15. Mai 2026 die letzten behördlichen Baugenehmigungen. Trianel teilte mit, die finale Investitionsentscheidung stehe kurz bevor – nannte jedoch explizit die ungeklärte Netzentgeltfrage als verbleibendes Risiko.

Das Projekt liegt in Nordrhein-Westfalen, einer der industriestärksten Regionen Deutschlands. Ein Speicher dieser Größenordnung könnte eine tragende Rolle bei der Integration erneuerbarer Energien im Rhein-Ruhr-Raum übernehmen. Ob der Bau tatsächlich startet, entscheidet sich wesentlich im AgNes-Verfahren.

Was die Politik jetzt liefern muss

Die drei Studien senden eine klare Botschaft an Bundesnetzagentur und Gesetzgeber: Verlässliche, langfristige Rahmenbedingungen sind Grundvoraussetzung für den privatwirtschaftlichen Speicherhochlauf. Rückwirkende Gesetzesänderungen – selbst nur als Diskussionsbeitrag – erzeugen bereits heute Risikoaufschläge, die Projekte unwirtschaftlich machen.

Für Hausbesitzer und Gewerbetreibende hat diese Debatte unmittelbare Wirkung. Sie bestimmt langfristig, ob Netzstabilität und Strompreise tragbar bleiben – oder ob die Rechnung für ausgebliebene Privatinvestitionen am Ende bei den Verbrauchern landet.

KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt beobachtet die Entwicklung der Speicherregulierung als regionaler Fachhändler für Energiesystemkomponenten in NRW mit besonderem Interesse. Die politische Entscheidung im AgNes-Verfahren wird den Markt für Installateure und Gewerbetreibende in der Region direkt beeinflussen.

Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zu Energiespeichern und deren optimaler Netzintegration beraten lassen.

Quellen: pv-magazine.de · Solarserver

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