Batteriespeicher und Photovoltaik-Anlagen in Industriebetrieben sind vielerorts installiert, aber selten koordiniert betrieben. Intelligente Energiesteuerung kann teure Lastspitzen kappen und macht Investitionen in neue Kraftwerke vielerorts überflüssig — das zeigt eine aktuelle Analyse des Energiedienstleisters Flexality.
Industriestandorte in Deutschland verfügen längst über eigene Energieanlagen — doch Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und flexible Verbraucher arbeiten meist nebeneinander statt miteinander. Das kostet Geld: Spitzenlastpreise treffen Unternehmen regelmäßig, Netzentgelte steigen, und Investitionen in neue steuerbare Kapazitäten werden diskutiert — obwohl vorhandene Anlagen erheblich mehr leisten könnten.
Dyke Wilke, Mitbegründer des Energiedienstleisters Flexality, formuliert das Grundproblem nüchtern: Ein erheblicher Teil der benötigten Flexibilität sei bereits im System vorhanden, werde aber kaum aktiviert. Viele Kosten entstünden nicht durch fehlende Infrastruktur, sondern durch mangelnde Abstimmung bestehender Anlagen. Die politische Antwort — neue Gaskraftwerke für Versorgungssicherheit — greife deshalb oft zu kurz.
Hinter dem Zähler schlummert ein ungenutztes Kraftwerk
Batteriespeicher werden in Industriebetrieben fast ausschließlich als Puffer für überschüssigen Solarstrom genutzt. Peak Shaving, die Teilnahme an Regelenergiemärkten oder die Nutzung dynamischer Stromtarife bleiben weitgehend ungenutzt — aus Mangel an Steuerungsintelligenz, nicht aus Mangel an Hardware. Ähnliches gilt für thermische Prozesse, Kühlsysteme und Druckluftanlagen: Sie besitzen eine inhärente Trägheit, die zeitliche Verschiebung ohne Qualitätsverlust erlaubt. Eine übergeordnete Steuerungsebene, die diese Potenziale systematisch hebt, fehlt in den meisten Betrieben.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeugflotten werden typischerweise sofort nach Rückkehr der Fahrzeuge genutzt, da alle Fahrzeuge gleichzeitig laden. Das erzeugt hohe Lastspitzen am Abend zu teuren Netzpreisen. Eine zeitliche Verschiebung auf Nacht- oder frühe Morgenstunden — oder direkt in Photovoltaik-Erzeugungsphasen — würde Netzentgelte und Strombeschaffungskosten erheblich senken. Technisch ist das möglich. Was fehlt, ist die Steuerungsschicht, die es automatisiert umsetzt.
Last verschieben, nicht abschalten
Kühl- und Tiefkühllogistikstandorte zeigen, wie das in der Praxis funktioniert: Kühlprozesse lassen sich innerhalb definierter Temperaturgrenzen zeitlich verschieben und reduzieren so Spitzenlastkosten erheblich, ohne Produktqualität oder Betriebsabläufe zu beeinträchtigen. Entscheidend ist eine Steuerungsebene, die Solarstrom-Erzeugung, Speicherfüllstand, Lastprognosen und Marktpreissignale gleichzeitig verarbeitet und automatisch optimierte Entscheidungen trifft.
Genau hier liegt die Wertschöpfung: nicht im nächsten Speicher oder der nächsten PV-Anlage, sondern in der systemischen Koordination vorhandener Anlagen. Wer das beherrscht, reduziert seinen Jahresstromkostensatz spürbar — und kann über Regelenergiemärkte zusätzliche Erlöse erzielen, sofern das System die geforderten Reaktionszeiten erfüllt. Ein Potenzial, das bislang fast ausschließlich Großbetrieben offenstand, wird damit auch für mittlere Industriestandorte erreichbar.
SonneNext und Sigenergy mit integriertem Ansatz
In diesen wachsenden Markt stoßen verstärkt Kooperationen zwischen Energiedienstleistern und Herstellern vor. Der deutsche Anbieter SonneNext energy und der Speicherhersteller Sigenergy haben eine Partnerschaft angekündigt, die Gewerbe- und Industriekunden in Deutschland mit integrierten Hardware- und Dienstleistungspaketen versorgen soll. Sigenergy liefert dabei die Speicher- und Wechselrichter-Plattform, SonneNext übernimmt Vermarktung, Netzintegration und Betriebsführung.
Vergleichbare Kooperationen sind im Markt nicht ungewöhnlich — Fronius, Sungrow und andere verfolgen seit Jahren ähnliche Modelle mit regionalen Energiedienstleistern. Für Gewerbekunden entscheidend ist weniger das Herstellerversprechen als die konkrete Umsetzung: Wie gut kommuniziert das Gesamtsystem in Echtzeit? Wie schnell reagiert es auf Preissignale? Wie transparent sind Monitoring und Abrechnung? Wer investieren möchte, sollte diese Fragen vor der Kaufentscheidung stellen und technische Referenzprojekte einfordern.
Was Betreiber konkret einsparen können
Intelligent gesteuerte Gewerbespeicher können Spitzenlastkosten je nach Lastprofil um 20 bis 40 Prozent senken. Hinzu kommen potenzielle Erlöse aus der Direktvermarktung oder aus Regelenergiemärkten, wenn das System die geforderten Reaktionszeiten erfüllt. Installateure, die ihren Kunden ausschließlich Hardware verkaufen, ohne die Steuerungsstrategie zu besprechen, verschenken wirtschaftliches Potenzial — und riskieren, dass Kunden die Anlage später kostspielig nachrüsten müssen.
Für Betreiber kleiner und mittlerer Gewerbeobjekte in Nordrhein-Westfalen muss der Einstieg in intelligente Energiesteuerung kein Großprojekt sein. Oft reicht eine strukturierte Analyse des bestehenden Lastprofils, um die größten Einsparpotenziale zu identifizieren und einen sinnvollen ersten Schritt zu definieren. KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt berät und beliefert Gewerbekunden und Installateure in der Region mit passenden Produkten für genau diesen Einstieg.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Energieflexibilität und Gewerbespeicher-Planung beraten lassen.
Quellen: photovoltaik.eu · pv-magazine.de