Negative Großhandelspreise für Strom und systematische Abregelung treiben tausende griechische PV-Betreiber in die Insolvenz. Branchenvertreter sprechen von einer existenziellen Krise – und warnen, dass ähnliche Mechanismen auch in Deutschland zunehmend an Wirkung gewinnen.
Umsatzverluste von bis zu 70 Prozent
Zwischen 8 und 18 Uhr – den Haupteinspeisestunden von Photovoltaik-Anlagen – sind die griechischen Großhandelspreise für Strom zuletzt regelmäßig auf null oder in den negativen Bereich gefallen. Kleinerzeuger, die zu diesen Zeiten ins Netz einspeisen, erhalten faktisch keine Vergütung. Petros Tsikouras, Organisationssekretär der Erzeugervereinigung POSPIEF aus Thessaloniki, berichtete, dass kleine Solarparks im März 2026 bereits 62 Prozent ihres Umsatzes verloren hatten – im April stieg der Verlust auf 70 Prozent.
„7.500 Kleineinspeiser – das Rückgrat des dezentralen Energiesystems Griechenlands – werden innerhalb von Monaten in die finanzielle Erstickung getrieben“, sagte Tsikouras. Viele Betreiber könnten bald keine Kredite mehr bedienen. Die Folge: drohende Insolvenzen oder erzwungene Vermögensverkäufe.
Abregelung auf Rekordniveau
Vorläufige Daten der griechischen Energieregulierungsbehörde zeigen ein besorgniserregendes Bild: Zwischen Januar und April 2026 wurden 876,5 GWh an erneuerbarer Energie abgeregelt – gegenüber 588,5 GWh im gleichen Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2024 lagen die Abregelungsmengen bei rund 900 GWh. Die ersten vier Monate 2026 reichen damit fast an das Vorjahresgesamtergebnis heran.
Hintergrund ist ein strukturelles Ungleichgewicht: Griechenland hatte bis Ende Februar 2026 insgesamt 17,9 GW an erneuerbaren Energien installiert – davon 11,7 GW Solar-PV, 5,6 GW Wind und 0,6 GW aus anderen Quellen wie Laufwasserkraftwerken. Die Spitzenstromnachfrage des Landes liegt dagegen bei nur rund 11 GW. Der jährliche Stromverbrauch ist seit Jahren stabil bei 50 bis 51 TWh und dürfte sich laut Experten kurzfristig kaum verändern.
Fehlende Speicherkapazitäten als Systemversagen
Pantelis Biskas, Professor an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, brachte das Kernproblem auf den Punkt: Zu viel erneuerbare Erzeugung in Spitzenstunden trifft auf zu wenig Netzkapazität und fehlende Energiespeicher. Griechenland exportierte im vergangenen Jahr zwar rund 3 TWh Strom dank günstiger heimischer Erzeugung – am grundlegenden Dilemma ändert das jedoch nichts.
Die Hellenic Association of Photovoltaic Energy Producers (Spef) hatte bereits 2024 gefordert, keine neuen Netzanschlüsse mehr für erneuerbare Anlagen zu genehmigen. Die Regierung ignorierte den Appell. Aktuell warten weitere 48 GW an geplanten Projekten auf Netzanschlüsse auf Übertragungsnetzebene. Ein Ende des Kapazitätswachstums ist nicht absehbar.
Warnsignal für den deutschen Solarmarkt
Die griechische Situation beschreibt kein exotisches Randproblem – sie zeigt in verschärfter Form, wohin eine energiepolitisch ungesteuerte Expansion führt. In Deutschland treten an Sonnentagen mit hoher Einspeisung und schwacher Nachfrage ebenfalls negative Börsenstrompreise auf. Nach § 13 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) dürfen Netzbetreiber Anlagen bei Netzengpässen im Rahmen des Einspeisemanagements abregeln. Betreiber erhalten in Deutschland zwar eine gesetzliche Entschädigung – die strukturelle Herausforderung bleibt dieselbe.
Die Bundesnetzagentur hat den steigenden Redispatch-Bedarf wiederholt thematisiert. Ein zentrales Instrument zur Netzentlastung ist der Ausbau von Batteriespeichern, die überschüssigen Solarstrom in Hocheinspeisephasen zwischenspeichern und bei Bedarf wieder abgeben. Für Betreiber von PV-Anlagen in Deutschland wächst deshalb die strategische Bedeutung von Eigenverbrauchsoptimierung, Direktvermarktung und Speicherintegration. Wer sich allein auf die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verlässt, geht ein wachsendes wirtschaftliches Risiko ein.
Das griechische Beispiel zeigt: Vernachlässigt die Energiepolitik die Speicherinfrastruktur gegenüber dem Kapazitätsausbau, entstehen systemische Risiken – nicht nur für institutionelle Investoren, sondern vor allem für dezentrale Kleinbetreiber. Branchenexperten fordern deshalb eine engere Verknüpfung von PV-Zubau und Speicherförderung, etwa über KfW-Förderkredite oder BAFA-Programme für Effizienzmaßnahmen.
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Quellen: pv magazine