Über eine Million private Wallboxen sind in Deutschland installiert – und stehen mehr als 90 Prozent der Zeit leer. Zwei Entwicklungen zeigen, wie diese Ladeinfrastruktur besser genutzt werden könnte: Sharing-Plattformen wollen den privaten Zugang öffnen, stoßen aber auf erhebliche Hürden. Gleichzeitig hat die Bayernwerk Netz GmbH erstmals Photovoltaikanlagen, Wallboxen und Energiespeicher direkt über das Smart-Meter-Gateway gesteuert – ohne zusätzliche Steuerbox.
Das ungenutzte Potenzial privater Ladeinfrastruktur
Mehr als eine Million private Wallboxen sind in Deutschland installiert – und stehen den Großteil der Zeit still. Mit rund 200.000 öffentlichen Ladepunkten im Land klingt Wallbox-Sharing nach einer naheliegenden Ergänzung: Private Eigentümer stellen ihre Ladestation zeitweise anderen zur Verfügung, ähnlich wie Airbnb freie Zimmer vermittelt. Technisch ist das längst möglich. Dennoch bleibt die Idee in der Breite Theorie.
Vertrauen als Schlüsselressource
Gespräche mit Betreibern von Sharing-Plattformen offenbaren ein wiederkehrendes Muster: Die eigentliche Hürde liegt nicht in der Technik, sondern im Verhalten der Menschen. Wer seinen Carport oder seine Einfahrt öffnet, gibt damit Zugang zu privatem Grund. Das fühlt sich für viele Eigentümer anders an als das Teilen einer digitalen Ressource.
Gastgeber wollen Kontrolle über Zugang und Nutzung behalten. Nutzer fragen sich, ob der angebotene Ladepunkt tatsächlich erreichbar und funktionsfähig ist. Bewertungssysteme, Nutzerprofile und Versicherungsregelungen können Vertrauen aufbauen – ersetzen es aber nicht vollständig. Am besten funktioniert Wallbox-Sharing laut Plattformbetreibern dort, wo sich Menschen bereits kennen: in Nachbarschaften, Wohnungseigentümergemeinschaften oder auf Firmengeländen.
Regulierung und Wirtschaftlichkeit bremsen das Modell
Neben dem Vertrauensproblem steht das regulatorische Umfeld. Wer Strom gewerblich weiterverkauft, unterliegt in Deutschland energiewirtschaftlichen Pflichten, die für Privatpersonen kaum handhabbar sind. Die Grenze zwischen privater Mitnutzung und gewerblichem Stromvertrieb ist gesetzlich nicht klar definiert.
Wirtschaftlich rechnet sich das Teilen für viele Eigentümer zudem nicht: Der Aufwand für Buchung, Abrechnung und mögliche Schäden übersteigt häufig die erzielbaren Einnahmen. Plattformen müssen erst eine kritische Nutzermasse erreichen, bevor sich der Betrieb lohnt. Dieses Henne-Ei-Problem verlangsamt die Marktentwicklung erheblich.
Bayernwerk testet SMGW-Direktsteuerung ohne Steuerbox
Während das Sharing-Modell auf strukturelle Lösungen wartet, haben die Bayernwerk Netz GmbH und die Power Plus Communications AG (PPC) einen konkreten technischen Schritt vollzogen. In einer groß angelegten Testreihe übermittelten sie Steuerbefehle für Photovoltaikanlagen, Wallboxen und Energiespeicher direkt über das Smart-Meter-Gateway (SMGW) – ohne separate physische Steuerbox zwischen Messgerät und Anlage.
Bisher war für die ferngesteuerte Regelung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach §14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) zusätzliche Hardware erforderlich. Diese Steuerboxen erhöhten Kosten und Installationsaufwand sowohl für Netzbetreiber als auch für Anlagenbetreiber. Der neue Ansatz verlagert diese Funktion direkt ins SMGW – eine Komponente, die ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist.
Bedeutung für das Netzmanagement
Das Ergebnis ist systemrelevant: Netzbetreiber wie Bayernwerk brauchen zunehmend die Fähigkeit, dezentrale Flexibilitäten – Ladestationen, Solaranlagen, Heimspeicher – kurzfristig zu regeln, wenn Netzengpässe entstehen. Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien und wachsender Zahl von Elektrofahrzeugen wird dieses Netzmanagement immer wichtiger.
Eine direkte SMGW-Steuerung könnte die Einbindung von Haushalten in das Flexibilitätsmanagement erheblich vereinfachen. Weniger Hardware bedeutet niedrigere Einstiegshürden – und damit potenziell mehr Haushalte, die am Redispatch-Verfahren teilnehmen und Netze stabilisieren.
Zwei Ansätze, eine gemeinsame Richtung
Wallbox-Sharing und SMGW-Steuerung verfolgen unterschiedliche Wege, adressieren aber dasselbe Grundproblem: Private Ladeinfrastruktur ist zu wenig ins System eingebunden. Das Sharing kämpft mit sozialen und regulatorischen Barrieren. Die SMGW-Direktsteuerung schafft technische Grundlagen für eine bessere Netzintegration.
Langfristig könnten beide Ansätze konvergieren: Ein SMGW-gesteuertes System, das Ladezeiten automatisch an Netzlage und Solarertrag anpasst, ließe sich auch für Sharing-Modelle nutzen – etwa durch automatische Freigabe ungenutzter Ladekapazitäten. Bis dahin bleiben beide Entwicklungen voneinander getrennte, aber parallel laufende Baustellen der Energiewende.
KW Baustoffe GmbH aus Drensteinfurt beobachtet diese Marktentwicklungen als regionaler Baustoffhändler und Energieproduktspezialist und informiert Kunden in NRW über praxisrelevante Neuerungen bei Ladeinfrastruktur und erneuerbaren Energien.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zu Wallboxen und moderner Ladeinfrastruktur beraten lassen.
Quellen: pv-magazine.de · energie-experten.org