
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag von Green Planet Energy kommt zu einem klaren Befund: Fällt die Einspeisevergütung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weg, werden zahlreiche Mieterstromprojekte wirtschaftlich unrentabel. Besonders hart trifft dies kleine und mittlere Anlagen – und damit Millionen Mieterinnen und Mieter, die von günstigem Solarstrom profitieren könnten.
Wie Mieterstrom funktioniert – und woran er hängt
Beim Mieterstrom wird Strom aus einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses direkt an die Bewohner geliefert. Ein Teil des erzeugten Stroms umgeht dabei das öffentliche Netz, wird lokal genutzt und deutlich günstiger abgerechnet als herkömmlicher Netzstrom. Was nicht sofort verbraucht wird, fließt ins Netz – und wird bislang über die gesetzliche Einspeisevergütung vergütet.
Genau diese Vergütung steht in der aktuellen EEG-Diskussion auf der Kippe. Die Mitte April 2026 veröffentlichte IW-Studie zeigt: Ohne diesen Einnahme-Baustein lassen sich viele Projekte nicht mehr refinanzieren. Das trifft vor allem Anlagen mit einer Leistung bis etwa 100 Kilowatt Peak (kWp) – die überwiegende Mehrheit des deutschen Mieterstrommarkts.
Kleine Anlagen strukturell benachteiligt
Der Grund liegt in der Struktur dieser Anlagen. Kleine und mittlere Mietsgebäude haben keinen kontinuierlich hohen Strombedarf. Außerhalb der Kernzeiten – nachts, an Wochenenden oder in Ferienperioden – wird ein erheblicher Teil des erzeugten Solarstroms nicht intern verbraucht. Die Einspeisevergütung gleicht diese Lücke aus und macht die Gesamtrechnung tragfähig.
Fällt die Vergütung weg, verringert sich die Rendite für Vermieter und Investoren deutlich. Neue Projekte werden nicht mehr begonnen; laufende Vorhaben könnten in die Verlustzone rutschen. Die wirtschaftliche Logik ist simpel: Wer die Lücke nicht füllen kann, baut nicht.
Millionen Mieter abgehängt
In Deutschland wohnen rund 55 Prozent der Bevölkerung zur Miete. Diese Gruppe ist bei der Energiewende strukturell im Nachteil: Während Eigenheimbesitzer eine PV-Anlage auf dem eigenen Dach installieren und direkt von Solarstrom profitieren können, sind Mieter auf kooperationswillige Vermieter oder gesetzliche Rahmenbedingungen angewiesen.
Green Planet Energy warnt: Wird die wirtschaftliche Grundlage der Mieterstromprojekte durch den EEG-Eingriff geschwächt, verlieren Millionen Haushalte die Chance auf günstigen Strom vom eigenen Hausdach. Mieterstrom ist einer der wenigen politischen Hebel, um diese Ungleichheit zu verringern – und er drohte bereits vor dieser Diskussion an bürokratischen Hürden zu scheitern.
EEG-Reform: Was steht auf dem Spiel?
Im Rahmen der aktuellen EEG-Novelle diskutiert die Bundesregierung verschiedene Szenarien zur Neugestaltung der Vergütungsstruktur. Befürworter eines Wegfalls argumentieren, Solarstrom sei inzwischen wettbewerbsfähig genug, um am Markt zu bestehen. Für das Segment Mieterstrom gilt das laut IW-Studie gerade nicht: Hier fehlen die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine marktbasierte Refinanzierung ohne Förderung.
Branchenverbände wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) warnen seit Monaten vor einer zu starken Absenkung der Vergütung. Die IW-Studie liefert nun eine belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnung, die diese Kritik für den Mieterstrommarkt untermauert.
Lösungsansätze und Marktperspektive
Eine mögliche Option wäre eine zielgenaue Sonderregelung für Mieterstrom-Anlagen: Die allgemeine EEG-Vergütung wird reformiert oder abgebaut, das Mieterstrommodell erhält jedoch einen eigenen Fördermechanismus. Alternativ könnten Energiespeicher in Mehrfamilienhäusern dazu beitragen, die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen – allerdings auf Kosten deutlich höherer Investitionen, was das wirtschaftliche Problem nur verschiebt, statt es zu lösen.
Der Mieterstrommarkt ist trotz des 2017 verabschiedeten Mieterstromgesetzes weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Bürokratische Hürden, komplizierte Abrechnungsmodelle und fehlende Anreize für Vermieter haben die Verbreitung gebremst. Eine weitere Schwächung der wirtschaftlichen Grundlage würde diesen Rückstand weiter vergrößern.
Einordnung: Studie im Auftraggeber-Kontext
Die Studie wurde von Green Planet Energy in Auftrag gegeben – einem Ökostromanbieter, der ein direktes wirtschaftliches Interesse am Erhalt der Mieterstromförderung hat. Dieser Kontext sollte bei der Bewertung berücksichtigt werden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gilt dennoch als seriöses Wirtschaftsforschungsinstitut; die methodische Grundlage ist öffentlich zugänglich und nachvollziehbar.
KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt verfolgt die Entwicklung der EEG-Förderstruktur eng und informiert regionale Installateure und Planungsbüros über aktuelle Änderungen im Bereich Mieterstrom und Solarförderung.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zu Mieterstrom-Planung und EEG-Förderung beraten lassen.