Installateure sind bis Jahresende teils ausgebucht, Händler melden deutlich mehr Aufträge. Auslöser ist der Entwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz 2027, der für kleine Solaranlagen eine deutlich geringere Vergütung vorsieht. Parallel erweitert der Händler Krannich Solar sein Sortiment um Produkte des Herstellers Sigenergy.
„Wir sehen definitiv Vorzieheffekte.“ Das sagt Daniel Schmitt, Geschäftsführer bei Memodo, über die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen. Der Auftragseingang im September und Oktober sei deutlich erhöht, für November erwartet er einen weiteren Anstieg. Kunden ziehen ihre Pläne vor, um den Förderkürzungen zu entgehen, die zum Jahresbeginn 2027 drohen.
Die Rallye kommt später als sonst
Die offiziellen Zahlen aus dem September zeigten den Effekt zunächst nicht: Der Zubau war auf 1.226 Megawatt eingebrochen. Die Jahresendrallye, im Solarhandwerk fast schon Tradition, schien sich zu verspäten. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Kunden ihre Projekte vorziehen.
Auch die Installationsbetriebe spüren den Ansturm. Klaus Schiller, Leiter Photovoltaik beim Installationsbetrieb Kütro in Abensberg, berichtet von einem vollen Auftragsbuch bis Jahresende, sowohl bei Anlagen für Privatkunden als auch bei der Wärmepumpe. Neue Interessenten müsse sein Betrieb „auf das kommende Jahr vertrösten“.
Tobias Stuhlenmiller von Energietechnik Stuhlenmiller ist nach eigenen Angaben seit Mitte Oktober für 2026 ausgebucht. Er hatte den Beginn der Rallye früher erwartet. Sie sei „gefühlt weniger stark ausgeprägt als in früheren Zeiten“. Typische Interessenten seien Kunden, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen. „Wir aktualisieren überdurchschnittlich viele Angebote, die wir teilweise schon vor Jahren geschrieben haben“, sagt er.
Was der Entwurf für kleine Anlagen vorsieht
Die Ursache liegt im Entwurf für das EEG 2027, das noch nicht verabschiedet ist. Danach sollen Photovoltaik-Anlagen unter 25 Kilowatt keine feste Einspeisevergütung mehr erhalten. Auch eine Marktprämie in der Direktvermarktung steht ihnen demnach nicht zu. Der Bundesrat hat zuletzt umfangreiche Änderungen an der Novelle gefordert.
Heute erhalten Anlagen bis 10 Kilowatt in der Überschusseinspeisung 7,7 Cent pro Kilowattstunde, bis 40 Kilowatt sind es 6,66 Cent. Volleinspeiseanlagen bekommen 12,22 beziehungsweise 10,24 Cent. Kommt der Entwurf unverändert, können Betreiber von Anlagen bis 25 Kilowatt ab Januar nur noch einen Netzbetreiberabnahmepreis beanspruchen. Diskutiert werden 5,2 Cent pro Kilowattstunde, gezahlt höchstens drei Jahre lang.
Danach sollen die Anlagen in die sonstige Direktvermarktung wechseln. Dort gibt es einen minimalen Handelsaufschlag von 1,5 Cent pro Kilowattstunde für vier Jahre. Alternativ können Betreiber den Strom unentgeltlich an den Netzbetreiber abgeben. Als weitere Belastung steht eine 50-Prozent-Kappung der Einspeisung im Raum, die der Entwurf erwägt. Wie sie genau ausgestaltet wird, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Beispielrechnung für ein Haus im Münsterland
Was der Entwurf für ein Einfamilienhaus in Drensteinfurt oder Ahlen bedeuten könnte, zeigt eine einfache Rechnung. Wir nehmen an, dass eine Anlage bis 10 Kilowatt im Jahr 4.000 Kilowattstunden ins Netz einspeist. Das ist eine Annahme, kein Messwert. Bei 7,7 Cent ergeben sich 308 Euro Vergütung, bei 5,2 Cent nur 208 Euro. Der Unterschied beträgt 100 Euro pro Jahr.
Hinzu kommt die Befristung: Der diskutierte Abnahmepreis soll höchstens drei Jahre gelten. Danach hängt der Erlös vom Handelsaufschlag oder von der unentgeltlichen Abgabe ab. Für Hausbesitzer rückt damit der Eigenverbrauch in den Mittelpunkt. Ein Heimspeicher kann den selbst genutzten Anteil erhöhen. Ob sich das rechnet, hängt vom Verbrauchsprofil, den Strompreisen und den Anschaffungskosten ab.
Krannich Solar holt Sigenergy ins Sortiment
Parallel meldet Photovoltaik.eu, dass der Solartechnik-Händler Krannich Solar Produkte von Sigenergy ins Sortiment aufnimmt. Sigenergy bietet Systeme für Energiespeicherung und Solartechnik an. Welche Produkte, Konditionen und Liefertermine gelten, geht aus der Meldung nicht hervor.
Die Einordnung fällt daher nüchtern aus: Eine Aufnahme ins Sortiment eines großen Händlers erweitert die Bezugswege für Installateure. Ob sie die Verfügbarkeit in der Hochphase des Jahresendgeschäfts tatsächlich verbessert, ist offen. Gerade jetzt, wo Betriebe ausgebucht sind und Händler steigende Bestellungen sehen, entscheidet die Lieferfähigkeit über die Termintreue. Belege für Preiseffekte liegen nicht vor.
Was Hausbesitzer jetzt abwägen sollten
Der Entwurf ist nicht beschlossen, und der Bundesrat fordert Änderungen. Die Förderbedingungen für 2027 stehen deshalb noch nicht fest. Wer eine Anlage plant, sollte nicht allein wegen der Frist entscheiden. Wichtiger sind Dachfläche, Verbrauch und Wirtschaftlichkeit auch ohne hohe Vergütung.
Praktisch zählt der Zeitplan: Wenn Betriebe in der Region bis Jahresende ausgebucht sind, sollten Bauherren Angebote früh einholen. Alte Angebote lassen sich laut Stuhlenmiller oft aktualisieren. Handwerker im Münsterland sollten zudem Material rechtzeitig sichern, denn steigende Auftragseingänge beim Handel können Lieferzeiten verlängern.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung beraten lassen.
Quellen: Photovoltaik.eu · pv-magazine.de