Wer Strom vom eigenen Dach erzeugt, darf Überschüsse seit dem 1. Juni 2026 an Nachbarn weitergeben, ohne die Pflichten eines klassischen Energieversorgers zu übernehmen. Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) schafft dafür den Rahmen für Energy Sharing. Parallel rechnen Sigenergy und Partner Luox vor, dass Betreiber mit Speicher und Direktvermarktung bis zu 12 Cent je Kilowattstunde über dem solaren Marktwert erlösen könnten.
Was das Energiewirtschaftsgesetz seit Juni erlaubt
Betreiber einer PV-Anlage können überschüssigen Solarstrom seit dem 1. Juni 2026 an Nachbarn verkaufen. Die Grundlage liefert das Energiewirtschaftsgesetz. Bisher machte der Verkauf an Dritte aus dem Hausbesitzer schnell einen Energieversorger, mit allen Melde-, Liefer- und Abrechnungspflichten.
Genau diese Last soll beim Energy Sharing entfallen. Wer seinen Solarstrom mit Nachbarn teilt, wird von vielen Pflichten klassischer Energielieferanten befreit. Das berichtet das Portal Energie-Experten.
Der Ansatz ist einfach: Was auf dem Dach mittags mehr entsteht, als das Haus verbraucht, muss nicht zwingend ins öffentliche Netz fließen. Es kann im direkten Umfeld Abnehmer finden. Für Erzeuger entsteht so eine zusätzliche Verwertungsoption, für Nachbarn ein möglicher Strombezug aus unmittelbarer Nähe. Zu den Preisen machen die vorliegenden Quellen keine Angaben. Sie dürften Verhandlungssache zwischen den Beteiligten sein.
Speicher und Direktvermarktung: Was Sigenergy in Aussicht stellt
Ein zweites Modell zeigt, wie sich Solarstrom höher verwerten lässt. Laut Sigenergy und dem Partner Luox können Betreiber, die ihren Strom in einem Batteriespeicher puffern und intelligent direkt vermarkten lassen, mit bis zu 12 Cent je Kilowattstunde Aufschlag auf den solaren Marktwert rechnen. Solarserver hat die Angaben am 23. Oktober 2026 veröffentlicht.
Das Prinzip: Der Speicher verschiebt die Einspeisung in Stunden, in denen Strom am Markt mehr wert ist als zur Mittagsspitze. Die Direktvermarktung übernimmt die Steuerung. Sigenergy leitet daraus ab, dass Betreiber künftig wirtschaftlich vom EEG unabhängig werden könnten.
Ein Rechenbeispiel zur Einordnung: Vermarktet ein Haushalt 1.000 Kilowattstunden Überschussstrom, entsprächen 12 Cent Aufschlag höchstens 120 Euro zusätzlich. Das ist eine Obergrenze, kein Erwartungswert.
Einordnung: Herstellerrechnung und offene Fragen
Die Zahl von 12 Cent stammt vom Hersteller und seinem Partner. Eine unabhängige Bestätigung nennen die vorliegenden Quellen nicht. Auch die Kosten für Batteriespeicher und Vermarktungsdienstleister bleiben offen. Gerade sie entscheiden, ob vom Aufschlag am Ende etwas übrig bleibt.
Die Formulierung bis zu verdient besondere Aufmerksamkeit. Sie beschreibt das Bestmögliche, nicht den Durchschnitt. Wer rechnet, sollte deshalb mit konservativen Werten planen und Angebote mehrerer Anbieter vergleichen.
Beide Wege konkurrieren zudem um denselben Überschussstrom. Energy Sharing verkauft ihn lokal an Nachbarn, die Direktvermarktung bringt ihn an den Strommarkt. Welcher Weg mehr einbringt, hängt vom Preis ab, den Nachbarn zu zahlen bereit sind, und vom Marktwert zur jeweiligen Stunde. Ein Vorteil für beide Seiten entsteht nur, wenn der Nachbar weniger zahlt als beim Versorger und der Erzeuger mehr erhält als bei der Einspeisung.
Was Hausbesitzer im Münsterland prüfen sollten
Im Münsterland dominieren Einfamilienhäuser und Siedlungen mit ähnlich großen Dächern. Das ist eine gute Ausgangslage für Nachbarschaftsmodelle, weil viele Anlagen zur selben Zeit Überschüsse erzeugen. Genau dann fehlen aber auch Abnehmer, wenn alle Nachbarn selbst Strom produzieren. Wer Energy Sharing plant, sollte deshalb zuerst klären, wer im Umfeld tatsächlich tagsüber Strom braucht.
- Eigenen Überschuss anhand der Jahresdaten von Erzeugung und Verbrauch ermitteln.
- Mit dem Netzbetreiber klären, wie Messung und Abrechnung für geteilten Strom laufen.
- Verträge mit Nachbarn schriftlich fassen, auch zu Preis und Laufzeit.
- Bei einem Speicher die Mehrkosten gegen den möglichen Zusatzerlös rechnen.
Fachbetriebe und der Fachhandel in Drensteinfurt können bei der Auslegung von Anlage und Speicher helfen. Verbindlich lässt sich die Wirtschaftlichkeit erst mit konkreten Angeboten und echten Verbrauchsdaten beurteilen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zu Energy Sharing und Solarstrom-Vermarktung beraten lassen.
Quellen: energie-experten.org · Solarserver