Rund 1,7 Millionen Haushalte könnten über reduzierte Netzentgelte spürbar Stromkosten sparen. Eine Finanztip-Auswertung zeigt, dass nur sieben von 20 großen Anbietern den Rabatt in allen regulären Tarifen weitergeben.
Rund 1,7 Millionen Haushalte in Deutschland können ihre Stromkosten über reduzierte Netzentgelte senken. Doch viele Energieversorger erschweren den Zugang zu den höchsten Einsparungen. Das geht aus einer Auswertung von Finanztip unter 20 großen Stromanbietern hervor, über die energie-experten.org berichtet.
Nur sieben Versorger geben den besonders lukrativen Rabatt nach „Modul 2“ in allen regulären Tarifen weiter. Bei der Mehrheit ist er an teurere Spezialverträge gekoppelt. Betroffen sind Besitzer einer Wärmepumpe, einer Wallbox oder eines Batteriespeichers.
Sieben von 20 Anbietern liefern den Rabatt ohne Umweg
Die Finanztip-Auswertung umfasst 20 große Stromanbieter. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Sieben Versorger reichen den Rabatt nach Modul 2 in allen regulären Tarifen weiter. Die übrigen 13 knüpfen ihn nach den Angaben an Spezialtarife. Diese Verträge sind teurer als das Standardangebot.
Für Kunden entsteht daraus ein Dilemma. Wer bei den Netzentgelten sparen will, muss unter Umständen in einen Tarif wechseln, dessen höherer Preis den Vorteil teilweise aufzehrt. Wie stark das ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Eine pauschale Zahl nennt die Quelle nicht.
Wichtig ist deshalb der Blick auf die Gesamtkosten. Ein hoher Rabatt auf dem Papier nützt wenig, wenn Grundpreis und Arbeitspreis des Spezialtarifs im Gegenzug steigen. Der Vergleich lohnt sich vor allem für Haushalte mit hohem Strombedarf durch Heizung und Auto.
Wofür der reduzierte Netzentgelt-Tarif gedacht ist
Hintergrund ist die Regelung zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Der Text steht in § 14a EnWG. Geräte wie Wärmepumpen, Wallboxen und Speicher erhalten ein reduziertes Netzentgelt. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber ihre Leistung bei drohender Überlastung zeitweise begrenzen.
Modul 2 ist eine der Varianten dieser Entlastung. Die Quelle bezeichnet sie als besonders lukrativ. Wie hoch die Ersparnis konkret ausfällt, steht im Preisblatt des jeweiligen Netzbetreibers. Entscheidend ist zudem, dass der Stromanbieter die reduzierten Netzentgelte in seinem Tarif tatsächlich abbildet.
Genau hier liegt das Problem, das die Auswertung offenlegt. Der Rabatt existiert, kommt aber bei vielen Kunden nur an, wenn sie den passenden Tarif kennen und gezielt danach suchen. Wer einfach im Standardtarif bleibt, verschenkt womöglich Geld.
Demo in Berlin: Forderungen an EEG und Netzanschlusspaket
Parallel dazu wächst der politische Druck auf die Energiepolitik. Rund 8.000 Menschen demonstrierten nach Angaben von Solarserver in Berlin für mehr erneuerbare Energien. Sie fordern vom Bundestag Nachbesserungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und am Netzanschlusspaket.
Aus Sicht der Demonstrierenden verunsichern beide Vorhaben Investoren. Für Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpen sind vor allem zwei Punkte relevant: der geforderte Ausbau von Netzen und Speichern sowie eine niedrigere Stromsteuer.
Eine niedrigere Stromsteuer würde den Strompreis für alle Verbraucher senken, unabhängig vom Tarif. Sie träfe damit gerade Haushalte mit elektrischer Heizung. Ob der Bundestag die Forderungen aufgreift, ist offen. Die Quelle nennt dazu keine konkreten Zusagen.
Was Hausbesitzer im Münsterland jetzt prüfen sollten
Im Münsterland setzen viele Eigentümer von Einfamilienhäusern auf Wärmepumpe, Wallbox und Dachanlage. Für sie lohnt ein nüchterner Tarifcheck. Folgende Punkte helfen bei der Einordnung:
- Wird der reduzierte Netzentgelt-Tarif im regulären Tarif gewährt oder nur im Spezialvertrag?
- Sind Wärmepumpe und Wallbox beim Netzbetreiber als steuerbare Verbrauchseinrichtung gemeldet?
- Wie hoch fallen Grundpreis und Arbeitspreis des Spezialtarifs im Vergleich zum Standardtarif aus?
- Was steht im Preisblatt des örtlichen Netzbetreibers zum reduzierten Netzentgelt?
Eine einfache Beispielrechnung für ein typisches Haus: Jahreskosten sind Grundpreis plus Arbeitspreis mal Jahresverbrauch, abzüglich des Netzentgelt-Rabatts. Diese Rechnung machen Sie für beide Tarifvarianten. Erst der Vergleich der Endsummen zeigt, ob der Spezialtarif sich lohnt.
Auch Installateure sind gefragt. Sie sollten Kunden schon bei der Planung darauf hinweisen, dass die Anmeldung steuerbarer Geräte beim Netzbetreiber die Voraussetzung für den Rabatt ist. So lässt sich der Vorteil von Beginn an nutzen, statt ihn nachträglich zu beantragen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zu Wärmepumpen und passenden Stromtarifen beraten lassen.
Quellen: energie-experten.org · Solarserver