Der Bundesverband Solarwirtschaft schlägt Alarm: Netzpaket, EEG-Novelle und Netzentgeltreform könnten Investitionen in neue Solarparks deutlich verteuern. In Regionen mit häufigen Netzengpässen drohen nach Einschätzung des Verbands sogenannte „solare Sperrzonen“ – Gebiete, in denen sich der Bau neuer Anlagen kaum noch lohnt. BSW-Solar fordert deshalb Nachbesserungen im Bundestag.
Drei Gesetzesvorhaben, ein gemeinsamer Kostenschub
Netzpaket, EEG-Novelle und Netzentgeltreform laufen derzeit parallel durch den Bundestag. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht in der Kombination der drei Vorhaben ein Risiko für laufende und geplante Photovoltaik-Investitionen. Nach Einschätzung des Verbands würden die Regelungen den Bau neuer Solarparks spürbar verteuern, ohne dass damit ein erkennbarer Nutzen für Netzstabilität oder Verbraucher verbunden wäre.
Der Verband richtet seine Kritik nicht grundsätzlich gegen die Ziele der Reformen. Netzpaket und Netzentgeltreform sollen die Kosten des Netzausbaus gerechter zwischen Erzeugern und Verbrauchern verteilen, die EEG-Novelle regelt unter anderem die künftige Förderung und Marktintegration neuer Anlagen. Kritisiert wird die konkrete Ausgestaltung im laufenden Gesetzgebungsverfahren. BSW-Solar fordert vom Bundestag Nachbesserungen, bevor die drei Gesetzespakete final beschlossen werden, und warnt vor einer Häufung von Einzelregelungen, die in der Summe stärker wirken als jede für sich.
Was hinter den „solaren Sperrzonen“ steckt
Besonders scharf fällt die Kritik an einem möglichen Nebeneffekt aus: In Regionen mit häufigen Netzengpässen könnten nach Einschätzung von BSW-Solar faktisch „solare Sperrzonen“ entstehen. Gemeint sind Gebiete, in denen sich der Anschluss neuer Solarparks wegen zusätzlicher Kosten oder Restriktionen kaum noch rechnet, selbst wenn ausreichend Fläche und Sonneneinstrahlung vorhanden wären.
Netzengpässe sind in Deutschland kein neues Phänomen. Die Bundesnetzagentur steuert bereits heute in Engpassregionen per Redispatch gegen, wenn mehr Einspeisung ansteht, als die Leitungen aufnehmen können. Neue Regeln aus dem Netzpaket und der Netzentgeltreform sollen diese Kosten verursachergerechter verteilen. BSW-Solar warnt jedoch, dass die aktuelle Ausgestaltung ausgerechnet Regionen mit hohem Photovoltaik-Zubau benachteiligen könnte, weil dort die Engpasskosten am häufigsten anfallen. Im Ergebnis würden gerade die Standorte teurer, die für die Energiewende besonders wichtig sind.
Für Projektentwickler bedeutet das zusätzliche Unsicherheit bei der Standortwahl. Eine Fläche, die heute noch wirtschaftlich erscheint, kann nach Inkrafttreten der Reformen in eine der beschriebenen Sperrzonen fallen, ohne dass sich an Sonneneinstrahlung oder Netzanschlusspunkt etwas geändert hat.
Folgen für Solarparks und Speicherprojekte
Betroffen wären laut Verband vor allem Investoren und Entwickler größerer Freiflächenanlagen, die ihre Wirtschaftlichkeit über viele Betriebsjahre kalkulieren müssen. Steigen Anschluss- oder Netzkosten unerwartet, verschiebt das die Rendite-Rechnung nachträglich und erschwert die Finanzierung durch Banken, die feste Kalkulationsgrundlagen verlangen. Das trifft nicht nur reine Solarparks, sondern zunehmend auch Projekte, die Energiespeicher direkt mit einplanen, um Einspeisespitzen abzufangen und Netzentgelte zu senken.
Auch gewerbliche Betreiber, die größere Gewerbespeicher zur Eigenverbrauchsoptimierung nutzen, beobachten die Reformen mit Sorge. Wenn Netzentgelte und Anschlussbedingungen sich kurzfristig ändern, wird die Planungssicherheit für mehrjährige Investitionsentscheidungen kleiner. Verbände wie BSW-Solar sehen darin ein strukturelles Problem: Wer heute in Erzeugung und Speicher investiert, braucht verlässliche Rahmenbedingungen für die nächsten 15 bis 20 Jahre, nicht nur für die laufende Legislaturperiode.
Einordnung fürs Münsterland
Auch im Münsterland gibt es Netzabschnitte, die an sonnenreichen Tagen an ihre Kapazitätsgrenze stoßen, etwa in ländlich geprägten Gemeinden mit vielen Freiflächenanlagen und Biogasanlagen. Landwirte und Projektentwickler, die hier Solarparks planen, sollten die Gesetzgebungsverfahren in Berlin daher aufmerksam verfolgen, auch wenn die konkreten regionalen Auswirkungen erst nach der endgültigen Fassung der Gesetze feststehen.
Für private Hausbesitzer mit Dachanlagen betreffen die drei Reformen in erster Linie das große Bild: Sie beeinflussen, wie attraktiv Photovoltaik-Investitionen in der Region insgesamt bleiben, weniger die einzelne Aufdachanlage auf dem Einfamilienhaus. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die eigene Netzsituation, insbesondere bei geplanten Erweiterungen um Speicher oder Wallbox, da lokale Anschlussbedingungen je nach Netzbetreiber variieren können. Wer eine Anlage plant oder eine bestehende erweitern will, kann sich bei KW Baustoffe in Drensteinfurt zu aktuellen Rahmenbedingungen und förderfähigen Komponenten beraten lassen.
Was der Verband vom Bundestag fordert
- Nachbesserungen an EEG-Novelle, Netzpaket und Netzentgeltreform vor der finalen Abstimmung
- Verzicht auf zusätzliche regulatorische Kostentreiber für Solarparks
- Keine neuen Marktbarrieren, die den weiteren Photovoltaik-Ausbau bremsen
- Vermeidung regionaler „solarer Sperrzonen“ durch praxisnahe Übergangsregelungen
Wie der Bundestag mit den Forderungen umgeht, ist offen. Die Reformen befinden sich im laufenden Gesetzgebungsverfahren, ein endgültiger Beschluss stand zum Zeitpunkt der Verbandsstellungnahme noch aus. Für die Solarbranche bleibt damit unklar, mit welchen Rahmenbedingungen neue Projekte ab dem nächsten Jahr kalkulieren müssen.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und dem Münsterland können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung beraten lassen.
Quellen: photovoltaik.eu · solarserver.de