Millionen Betreiber kleiner Photovoltaik-Dachanlagen könnten künftig draufzahlen: Eine geplante EEG-Reform soll sie zur Direktvermarktung ihres Solarstroms verpflichten. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) beziffert die Folgekosten für einen Vier-Personen-Haushalt auf bis zu 277 Euro im Jahr.
Für Betreiber kleiner Solaranlagen auf dem eigenen Dach steht möglicherweise eine teure Umstellung bevor. Nach den Plänen zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sollen künftig auch kleine Photovoltaik-Dachanlagen ihren Strom selbst direkt vermarkten, statt wie bisher eine feste Einspeisevergütung zu erhalten. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat die finanziellen Folgen dieser Umstellung für Haushalte berechnet.
Was Direktvermarktung für Anlagenbetreiber bedeutet
Direktvermarktung heißt: Anlagenbetreiber verkaufen ihren Strom nicht mehr über eine gesetzlich garantierte Vergütung, sondern über einen Direktvermarkter an der Strombörse. Große Solar- und Windparks sind ab einer bestimmten Leistungsgrenze bereits dazu verpflichtet. Diskutiert wird nun, diese Pflicht schrittweise auch auf kleinere Dachanlagen auszuweiten, ein Schritt, den Fraunhofer ISE in seiner aktuellen Studie wirtschaftlich bewertet hat.
Fraunhofer ISE: Bis zu 277 Euro Mehrkosten pro Jahr
Laut der Studie kostet die Umstellung einen Vier-Personen-Haushalt mit einer typischen Dachanlage zwischen 185 und 277 Euro zusätzlich pro Jahr. Der Grund: Direktvermarktung setzt in der Regel intelligente Messsysteme, Fernsteuerbarkeit der Anlage und einen Vermarktungsvertrag mit einem Dienstleister voraus. Diese Zusatzkosten summieren sich vor allem bei kleinen Anlagen, deren jährlicher Stromertrag die Mehraufwendungen kaum ausgleicht.
Bislang können Betreiber kleiner Dachanlagen die feste EEG-Vergütung nutzen, ohne sich um die Vermarktung ihres eingespeisten Stroms kümmern zu müssen. Fällt diese Ausnahme, drohen laut den Forschern vor allem Anlagen im unteren Leistungsbereich unwirtschaftlich zu werden. Das Risiko: Der Zubau kleiner privater Aufdachanlagen könnte ins Stocken geraten, wenn sich die Investition für Hausbesitzer nicht mehr rechnet.
Einschränkend gilt: Die Kosten für intelligente Messsysteme dürften mittelfristig sinken, da der gesetzlich vorgeschriebene Rollout ohnehin läuft und viele Haushalte solche Zähler in den kommenden Jahren erhalten würden. Die Studie bewertet den Zustand nach heutigem Stand der Technik und Preise.
Gewerbliche Dachanlagen: SMA bringt neuen Wechselrichter
Während kleine Hausdachanlagen regulatorisch unter Druck geraten, entwickelt sich das Segment gewerblicher Dachanlagen technisch weiter. Der Hersteller SMA Solar hat mit dem Sunny Tripower CORE2 einen neuen dreiphasigen Wechselrichter für gewerbliche Aufdachanlagen vorgestellt.
Technische Detailangaben zu Leistungsklassen oder Wirkungsgrad hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht. Einzuordnen ist der Schritt vor allem im Wettbewerbskontext: Im Markt für gewerbliche Wechselrichter stehen SMA zunehmend chinesische Anbieter wie Huawei oder Sungrow gegenüber, die mit aggressiven Preisen und kurzen Produktzyklen auftreten. Ob der Sunny Tripower CORE2 preislich und technisch mithalten kann, lässt sich anhand der bislang verfügbaren Informationen nicht beurteilen.
Zwei Geschwindigkeiten am deutschen Solarmarkt
Die beiden Entwicklungen zeigen eine Zweiteilung des deutschen Photovoltaik-Marktes. Während private Dachanlagen durch regulatorische Vorgaben unter Kostendruck geraten, investieren Hersteller weiter in Technik für gewerbliche und industrielle Anlagen. Größere Anlagen erzielen ohnehin höhere Stromerträge, wodurch sich Direktvermarktung für sie wirtschaftlicher darstellen lässt als für kleine Hausdächer.
Für Installateure und Betreiber bedeutet das: Wer eine kleine private Anlage plant oder bereits betreibt, sollte die weitere Gesetzgebung zur Direktvermarktungspflicht im Blick behalten und mögliche Zusatzkosten frühzeitig einkalkulieren. Wer dagegen eine größere gewerbliche Anlage plant, profitiert tendenziell von der technischen Weiterentwicklung bei Wechselrichtern und kann die Direktvermarktung wirtschaftlich sinnvoller gestalten.
Regionaler Bezug
Auch für Hausbesitzer und Gewerbebetriebe in Drensteinfurt und dem Münsterland ist die Entwicklung relevant, da zahlreiche bestehende und geplante Dachanlagen von der EEG-Reform betroffen sein könnten. Die KW Baustoffe GmbH verfolgt die Debatte um die Direktvermarktungspflicht für ihre Kunden weiter.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur wirtschaftlichen Planung ihrer Photovoltaikanlage beraten lassen.
Quellen: solarserver.de · Ad-hoc-news.de