Der polnische Hersteller ML Systems hat eine Vertriebsvereinbarung über 30.000 Solardachziegel abgeschlossen und baut damit seine Präsenz im europäischen Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik aus.
ML Systems baut Vertrieb für Solardachziegel aus
Der polnische Hersteller ML Systems hat eine Vertriebsvereinbarung über 30.000 photovoltaische Dachziegel abgeschlossen. Das Unternehmen will damit seine Position im europäischen Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV, deutlich ausbauen. Angaben zum Vertriebspartner, zu Zielländern oder zum Lieferzeitraum machte ML Systems bislang nicht.
Was gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) bedeutet
ML Systems zählt zu einer wachsenden Gruppe europäischer Hersteller, die photovoltaische Dachziegel statt klassischer Aufdach-Module anbieten. Die Solarzellen sind dabei direkt in die Dachziegel integriert, sodass das Dach optisch kaum von einer konventionellen Dacheindeckung zu unterscheiden ist.
Der Begriff BIPV steht für Building Integrated Photovoltaics, zu Deutsch gebäudeintegrierte Photovoltaik. Anders als bei klassischen Photovoltaik-Anlagen, bei denen Module auf einer bestehenden Dacheindeckung montiert werden, übernehmen die Solarziegel selbst die Funktion der Dachdeckung. Sie ersetzen also reguläre Dachziegel, statt zusätzlich auf ihnen zu liegen. Für Dachdecker und Installateure bedeutet das eine engere Zusammenarbeit zwischen Dachdeckerhandwerk und Elektrofachbetrieb als bei klassischen Aufdachanlagen üblich.
Für Bauherren bedeutet das: kein sichtbarer Kontrast zwischen Solarfläche und übriger Dachfläche. Das kann in Gebieten mit strengen Gestaltungssatzungen oder in denkmalgeschützten Ortskernen ein entscheidender Vorteil sein, wenn klassische Aufdachanlagen aus optischen Gründen nicht genehmigt werden.
Chancen und Grenzen für den deutschen Markt
Technisch unterscheiden sich Solardachziegel von klassischen Modulen vor allem in der elektrischen Verschaltung. Da einzelne Ziegel kleinere Flächen abdecken, sind mehr Verbindungen und ein höherer Planungsaufwand nötig. Nach der Installation lassen sich die Anlagen jedoch wie klassische Aufdachsysteme mit Wechselrichter und Energiespeicher kombinieren, sodass sich erzeugter Solarstrom ebenso zwischenspeichern lässt.
In Deutschland spielen Solardachziegel bislang eine untergeordnete Rolle gegenüber klassischen Solarmodulen. Der Hauptgrund liegt im Preis: Solardachziegel kosten pro installiertem kWp in der Regel deutlich mehr als eine konventionelle Aufdachanlage, und die Montage erfordert spezialisierte Dachdeckerbetriebe mit entsprechender Zusatzqualifikation.
Für die Förderung macht das eingesetzte Format keinen Unterschied: Auch Anlagen mit Solardachziegeln sind nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz förderfähig und lassen sich wie klassische Aufdachanlagen im Marktstammdatenregister anmelden. Voraussetzung bleibt in jedem Fall der Netzanschluss über den zuständigen Verteilnetzbetreiber.
Dennoch wächst das Interesse, insbesondere bei Neubauprojekten mit hohem gestalterischem Anspruch und bei Sanierungen in historischen Ortskernen. Wenn europäische Hersteller wie ML Systems ihre Produktionskapazitäten und Vertriebsnetze ausbauen, kann das mittelfristig auch die Verfügbarkeit und die Preise auf dem deutschen Markt beeinflussen.
Wer in Deutschland auf Solardachziegel setzt, sollte vor dem Kauf die zuständige untere Denkmalschutzbehörde oder das Bauamt einbinden, sofern am Standort Gestaltungssatzungen gelten. Anders als bei weitgehend genehmigungsfreien Aufdachanlagen kann bei dachintegrierten Systemen je nach Kommune eine Abstimmung mit der Bauaufsicht sinnvoll oder erforderlich sein.
Offene Fragen zur Vereinbarung
Zur aktuellen Vertriebsvereinbarung von ML Systems fehlen bislang wesentliche Details: Weder der Name des Vertriebspartners noch die konkreten Zielmärkte innerhalb Europas sind bekannt. Auch zum Preis pro Dachziegel oder zur geplanten Lieferzeit hat das Unternehmen keine Angaben veröffentlicht. Eine Einordnung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber etablierten Anbietern von Solardachziegeln ist auf dieser Datenbasis nicht möglich.
Der BIPV-Markt bleibt in Europa insgesamt ein Nischensegment innerhalb der Photovoltaik-Branche. Wachstumsprognosen für gebäudeintegrierte Lösungen sind optimistisch, absolute Stückzahlen liegen aber weiterhin deutlich unter denen klassischer Modul-Anlagen.
Für Bauherren und Installateure im Münsterland und in Drensteinfurt bleiben Solardachziegel vorerst eine Speziallösung für Einzelfälle mit besonderen gestalterischen Anforderungen, während die klassische Aufdach-Photovoltaik der Standard für Neubau und Sanierung bleibt.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung beraten lassen.
Quellen: solarserver.de