Zwei Studien stellen ein zentrales Argument der Einspeisevergütungs-Gegner infrage: Die Ortsnetze werden laut E3/DC kaum durch Photovoltaik-Dachanlagen belastet — und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme warnt, dass eine Direktvermarktungspflicht viele Kleinanlagen wirtschaftlich unattraktiv machen würde.
Die Debatte um die Abschaffung der Photovoltaik-Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen gewinnt an Schärfe. Zwei unabhängige Studien liefern Argumente, die den offiziellen Begründungen direkt widersprechen.
Ortsnetz-Studie: Solarstrom bleibt überwiegend lokal
Der Kasseler Speichersystemhersteller E3/DC hat an einem sonnigen Pfingstwochenende die Spannungsverläufe an 110.000 Netzanschlusspunkten ausgewertet — gleichmäßig verteilt über rund 80 Prozent der deutschen Ortsnetze. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwischen 80 und 90 Prozent des erzeugten Solarstroms wird direkt im Ortsnetz verbraucht und geht nicht in die Mittelspannungsebene über. Über das gesamte Jahr betrachtet dürfte der lokale Verbrauchsanteil laut E3/DC sogar bei rund 95 Prozent liegen.
„Der Solarstrom versickert im Ortsnetz“, erklärt E3/DC-Geschäftsführer Andreas Piepenbrink. Abregelungen traten selbst an diesem Pfingstwochenende — einem der ungünstigsten Szenarien mit viel Sonne und wenig Stromverbrauch — nur im Promillebereich auf. Die Kritikalität, also der Anteil der Zeit, in der Strom nicht lokal aufgenommen werden konnte, lag zwischen 10 und 20 Prozent.
Daraus zieht Piepenbrink einen klaren Schluss: Überlastungen entstehen nicht in den Ortsnetzen, sondern in höheren Spannungsebenen — und stammen überwiegend von großen Freiflächen- und Windkraftanlagen. Würde man bevorzugt Kleinanlagen abriegeln, verliere man Strom, der ohnehin lokal bleibt, ohne die eigentlichen Engpässe zu lösen. In das neu in Kraft getretene Energy Sharing setzt Piepenbrink große Hoffnungen: Es ermögliche einen lokalen Stromtausch zu reduzierten Netzentgelten.
Fraunhofer ISE: Direktvermarktung kein vollständiger Ersatz
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg kommt in einer eigenen Studie zu einem ähnlich kritischen Befund. Bundeswirtschaftsminister Reiche plant, die EEG-Vergütung für Anlagen bis 25 Kilowatt-Peak (kWp) zu streichen und betroffene Anlagen stattdessen in die Direktvermarktung zu zwingen. Das ISE warnt: Die Direktvermarktung kann die bisherige Einspeisevergütung wirtschaftlich nicht vollständig kompensieren.
Börsenstrompreise unterliegen starken Schwankungen. Genau zu den sonnenreichen Mittagsstunden — wenn viele Solaranlagen gleichzeitig einspeisen — sinken die Marktpreise erheblich. Dieser Effekt, bekannt als Merit-Order-Effekt oder Mittagstaltief, trifft kleine Dachanlagen mit niedrigem Eigenverbrauchsanteil überproportional hart.
Auch Ausweichstrategien bieten kaum Abhilfe: Der Bau kleinerer Anlagen, die Installation größerer Batteriespeicher oder die Nutzung dynamischer Stromtarife könnten den wirtschaftlichen Nachteil laut ISE nicht ausreichend kompensieren. Die Summe dieser Maßnahmen reiche nicht aus, um den Rückgang der Investitionsrendite aufzufangen. Das Institut erwartet bei einer Streichung der EEG-Vergütung eine deutliche Verringerung der Neuinstallationen im privaten Segment.
Unsicherheit als Investitionshemmnis
Für potenzielle Käufer einer Solaranlage ist die drohende Abschaffung der Einspeisevergütung nicht nur ein finanzieller Nachteil, sondern vor allem ein Unsicherheitsfaktor. Wer heute in eine Anlage für 15 bis 20 Jahre investiert, muss langfristig kalkulieren. Eine Förderstruktur, die in wenigen Jahren bereits mehrfach geändert wurde, erschwert diese Planung erheblich und kann Kaufentscheidungen verzögern oder ganz verhindern.
Deutschland hat sich verpflichtet, die installierte Solarleistung bis 2030 auf rund 215 Gigawatt zu erhöhen — eine Verdreifachung gegenüber dem aktuellen Stand. Brechen die Investitionen in private Dachanlagen ein, gerät dieses Ziel in Gefahr. Freiflächen-Solarparks können die Lücke im Gebäudebereich nicht schließen.
Einordnung: Datenlage contra politische Erzählung
Die Studien von E3/DC und Fraunhofer ISE weisen in dieselbe Richtung: Die Ortsnetze sind belastbarer als politisch dargestellt, und Marktpreise allein reichen nicht, um die Wirtschaftlichkeit kleiner Anlagen zu sichern. Dennoch ist Vorsicht geboten: E3/DC ist Hersteller von Heimspeichersystemen und hat ein direktes wirtschaftliches Interesse an einem starken PV-Markt. Auch das Fraunhofer ISE ist eine auf erneuerbare Energien ausgerichtete Einrichtung. Eine unabhängige Netzanalyse durch die Bundesnetzagentur steht bislang aus.
KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt verfolgt die politische Entwicklung aufmerksam. Eine Veränderung der Förderlandschaft hätte direkte Auswirkungen auf die Nachfrage nach Solarmodulen, Wechselrichtern und Heimspeichern im regionalen Fachhandel.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung und aktuellen Fördersituation beraten lassen.
Quellen: pv-magazine.de · energie-experten.org