Drei Batteriecontainer mit insgesamt sieben Megawattstunden Speicherkapazität: Das österreichische Startup Salzstrom hat seinen ersten kommerziellen Großauftrag für Natrium-Eisenphosphat-Gewerbespeicher gewonnen. Abnehmer ist das deutsche Forschungs- und Entwicklungsunternehmen Isel-automation, das die Anlagen an drei Industriestandorten einsetzen wird.
Drei Batteriecontainer mit je 2,3 Megawattstunden (MWh) Kapazität – insgesamt sieben MWh – liefert das Wiener Unternehmen Salzstrom im dritten Quartal 2026 an Isel-automation. Jeder der drei deutschen Industriestandorte des Maschinenbauers ist bereits mit rund 500 Kilowatt Photovoltaik ausgestattet. Die neuen Natrium-Eisenphosphat-Speicher sollen den Solarstrom-Eigenverbrauch maximieren und die Netzanschlussleistung optimieren. Das Auftragsvolumen liegt laut Unternehmensangaben im siebenstelligen Bereich.
Europas erste kommerzielle NFPP-Batteriecontainer
Salzstrom bezeichnet das Projekt als historischen Startschuss: Es handle sich um die ersten kommerziellen Natrium-Eisenphosphat (NFPP)-Batteriecontainer in Europa. Die Produktion hat bereits begonnen. „Dieses Projekt markiert einen Meilenstein“, sagt Peter Arnold, CEO von Salzstrom. „Unser Ziel ist es, Salzbatterien im großen Maßstab auf den europäischen Markt zu bringen.“ Das genaue Inbetriebnahmedatum hänge vom Kunden ab.
Salzstrom übernimmt die gesamte Projektsteuerung: Planung und Komponentenauswahl nach lokalen Vorschriften, Lieferung und Implementierung des Power Conversion Systems (PCS) sowie des Energiemanagementsystems. Das System koordiniert den Energiefluss zwischen PV-Anlage, Batteriespeicher und Stromnetz und optimiert den Eigenverbrauch in Echtzeit. Inbetriebnahme und Langzeitmanagement liegen ebenfalls beim Wiener Unternehmen.
Technische Vorteile gegenüber Lithium-Eisenphosphat
Gegenüber etablierten Lithium-Eisenphosphat-Systemen (LFP) nennt Salzstrom mehrere Vorteile. Zentrales Argument ist die Brandsicherheit: Die NFPP-Zellen seien nicht brennbar, was den Einsatz in Industrieumgebungen mit strengen Brandschutzauflagen erleichtere. Beim Peakshaving alterten Natrium-Speicher laut Hersteller langsamer als LFP-Akkus, weil sie hohe Ströme besser vertrügen.
Auffällig ist der Betriebstemperaturbereich: NFPP-Zellen können bis zu -40 Grad Celsius entladen werden, was Heizungs- und Kühlungsaufwand stark reduziert. „Dadurch muss kaum Energie für Heizung und Kühlung aufgewendet werden. Das steigert die Gesamteffizienz des Batteriesystems“, erklärt Arnold. Salzstrom betont zudem eine hohe Energiedichte der Zellen und niedrige Betriebskosten über das Gesamtjahr.
Einzuordnen ist: Die Natrium-Ionen-Technologie steht in Europa noch am Anfang der kommerziellen Einführung. Belastbare Langzeitdaten aus dem industriellen Feldbetrieb fehlen weitgehend. Chinesische Hersteller wie CATL arbeiten seit Jahren an der Skalierung, haben aber ebenfalls erst vereinzelte Großprojekte realisiert. Ob NFPP langfristig mit LFP in Kosten und Zyklenfestigkeit mithalten kann, wird der Betrieb zeigen müssen.
Gewerbespeicher für Eigenverbrauch und Lastoptimierung
Die Zielgruppe von Salzstrom sind Industrie- und Gewerbebetriebe mit hohem Energieverbrauch. Gewerbespeicher dieser Klasse senken die Energiebezugskosten, erhöhen den PV-Eigenverbrauch und optimieren die Netzanschlussleistung, um teure Lastspitzen im Netzentgelt zu vermeiden. Die Gesamtleistung der drei Salzstrom-Container beträgt 1,25 Megawatt.
Isel-automation entwickelt und produziert Maschinen, Antriebe und Automationssysteme und verfügt über eine globale Ausrichtung. Welche Standorte konkret beliefert werden, teilte das Unternehmen nicht mit. Die Kombination aus bestehender PV-Anlage und neuem Speicher ermöglicht es, Solarstrom auch dann selbst zu nutzen, wenn Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderfallen – ein wirtschaftlich entscheidender Vorteil bei hohem Grundlastbedarf.
Für die deutsche Industrie könnte der Serienstart von Salzstrom ein Signal sein: Natrium-basierte Gewerbespeicher nähern sich der Marktreife. Ob sich NFPP im Preiswettbewerb gegen LFP behaupten kann, hängt davon ab, wie schnell Fertigungskapazitäten skaliert werden. Für Betriebe mit hohen Brandschutzanforderungen oder Standorten mit kaltem Klima bietet die Technologie schon heute überzeugende technische Argumente.
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Quellen: pv-magazine.de