Rund 300 Kühe starben im Schweizer Kanton Waadt – Streuspannung steht im Verdacht. Obwohl eine Photovoltaik-Anlage auf dem Stall installiert war, schließen Experten PV als Ursache aus. Das eigentliche Problem liegt in fehlerhafter Elektroinstallation.
Der Vorfall in der Schweiz hat die Diskussion neu entfacht: Im Kanton Waadt starben rund 300 Rinder unter ungeklärten Umständen – als mögliche Ursache gilt Streuspannung in einem Stall, auf dessen Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert war. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) nutzte dies prompt für einen Antrag im Nationalrat, der ein temporäres Moratorium für Solaranlagen auf Stallgebäuden fordert. Der Schweizer PV-Verband Swissolar widersprach umgehend: „PV kann in diesem konkreten Fall als Ursache ausgeschlossen werden“, teilte der Verband dem Fachmedium pv magazine mit.
Was ist Streuspannung?
Als Streuspannung bezeichnen Elektrofachleute ungewollte elektrische Potenzialunterschiede im Stallbereich. Sie entstehen, wenn Metallbauteile, Betonböden oder Wasserleitungen nicht auf demselben elektrischen Potenzial liegen. Berührt ein Tier gleichzeitig zwei Punkte mit unterschiedlichem Potenzial – etwa einen feuchten Betonboden und eine Metalltränke –, fließt ein Strom durch seinen Körper.
Rinder sind besonders gefährdet: Ihre Körpermasse ist groß, und sie stehen oft auf feuchtem Beton, während sie gleichzeitig Melkmaschinen, Tränkebecken oder metallene Standplatzabgrenzungen berühren. Laut MSD Veterinary Manual können bereits 2 Milliampere (mA) erste Verhaltensreaktionen auslösen – Stresssignale beim Melken, weniger Trinken oder Meidung bestimmter Stallbereiche. Bei 4 mA reagieren bis zu 30 Prozent der Tiere mit messbaren Verhaltensänderungen. Langfristig sinken Milchleistung und Tiergesundheit dauerhaft.
Photovoltaik zu Unrecht am Pranger
Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Stalldach ist elektrisch betrachtet nur eine weitere Komponente im Gebäude – neben Beleuchtung, Melktechnik und Wärmetechnik. Streuströme können bei jeder dieser Installationen entstehen, wenn Erdungskonzept und Potentialausgleich mangelhaft ausgeführt sind. „Streuströme können bei allen elektrischen Installationen auftreten, wie etwa bei Melkmaschinen. Die Ursache muss in jedem Fall einzeln analysiert und beseitigt werden“, betonte Swissolar.
Für Deutschland gilt: Die Norm DIN VDE 0100-705 (Elektrische Anlagen in der Landwirtschaft) regelt Anforderungen an Erdung und Potentialausgleich in Stallgebäuden detailliert. Ein fachgerecht installierter Wechselrichter wird in das Erdungskonzept des Gebäudes eingebunden. Werden diese Regeln konsequent eingehalten, ist das Risiko von Streuspannung durch die PV-Anlage minimal.
Agri-PV in Deutschland: Wachstumsmarkt mit Sorgfaltspflicht
Agri-PV – Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Gebäuden und Freiflächen – spielt beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland eine zunehmend wichtige Rolle. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023) verbessert die Einspeisebedingungen für Dachanlagen auf Gewerbe- und Agrarbetrieben spürbar. Viele Landwirte kombinieren die Stallanlage heute mit Energiespeichern, um den Eigenverbrauch zu maximieren und die Betriebskosten zu senken.
Mit wachsender Anlagenzahl steigt die Pflicht zur professionellen Planung. Die Bundesnetzagentur und die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft empfehlen eine wiederkehrende Prüfpflicht für Elektroanlagen in Tierhaltungsbetrieben – in der Regel alle vier Jahre durch einen zugelassenen Elektrofachbetrieb. Treten Verhaltensauffälligkeiten im Tierbestand auf, sollte umgehend eine Messung auf Streuspannung veranlasst werden.
Praxistipps für Betreiber mit Stallsolaranlage
Fachleute empfehlen folgende Maßnahmen, um Streuspannung in Ställen mit PV-Anlage zuverlässig zu vermeiden:
- Potentialausgleich aller metallischen Bauteile nach DIN VDE 0100-705 durch Fachbetrieb prüfen lassen
- Erdungsanlage und Schutzleiter regelmäßig messen – mindestens alle vier Jahre
- Wechselrichter und DC-Leitungen vollständig in das Erdungskonzept einbeziehen
- Tränkewasserleitungen galvanisch trennen oder isoliert verlegen
- Bei Verdacht: Stromdurchflussmessung im Tier-Kontaktbereich durch Fachbetrieb beauftragen
Der Schweizer Vorfall verdeutlicht: Wenn eine Technologie politisch unter Druck gerät, helfen keine pauschalen Verbote, sondern fundierte Fachkenntnis. Sorgfältige Elektroplanung und regelmäßige Prüfungen schützen Tiere, Betreiber und die gesellschaftliche Akzeptanz der Photovoltaik auf Agrardächern gleichermaßen.
KW Baustoffe GmbH in Drensteinfurt begleitet Bauherrn und Landwirte im Münsterland bei der Planung und Umsetzung von Stalldachanlagen – mit dem richtigen Material und der nötigen Fachkenntnis für landwirtschaftliche Objekte.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zu Photovoltaik-Planung auf Stallgebäuden und zur fachgerechten Elektroinstallation beraten lassen.
Quellen: pv magazine