Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE warnt in einer neuen Studie: Wird die EEG-Einspeisevergütung für kleine PV-Dachanlagen bis 25 Kilowatt-Peak abgeschafft, kann die Direktvermarktung die wirtschaftliche Lücke nicht schließen. Viele Anlagenkonzepte würden unwirtschaftlich — mit spürbaren Folgen für den deutschen PV-Markt.
Fraunhofer-Warnung: Direktvermarktung schließt Wirtschaftlichkeitslücke nicht
Wirtschaftsministerin Reiche plant nach aktuellen Berichten, die feste Einspeisevergütung für Dachanlagen bis 25 kWp zu streichen. Betreiber sollen ihren überschüssigen Solarstrom dann direkt über den Energiemarkt vermarkten. Das Fraunhofer ISE hat diese Pläne in einer Studie bewertet — und kommt zu einem kritischen Ergebnis: Die Direktvermarktung kompensiert die wegfallende EEG-Vergütung nicht vollständig. Viele der bisher wirtschaftlich tragfähigen Anlagenkonzepte würden unter den neuen Bedingungen schlechter gestellt.
Besonders betroffen wären typische Photovoltaik-Dachanlagen im kleinen Leistungsbereich. Während die EEG-Vergütung über 20 Jahre planbare, feste Einnahmen garantiert, unterliegen Direktvermarktungserlöse den schwankenden Spotpreisen an der Strombörse. Für private Investoren bedeutet das ein erheblich höheres wirtschaftliches Risiko.
Keine Alternative gleicht den Einnahmeverlust aus
Die Fraunhofer-Forscher haben im Rahmen der Studie auch mögliche Ausweichstrategien untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Weder der Bau kleinerer Anlagen noch die Installation größerer Energiespeicher oder die Umstellung auf dynamische Stromtarife können die wirtschaftliche Lücke vollständig schließen. Auch die Kombination mehrerer Maßnahmen verbessert die Situation nur geringfügig.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Direktvermarktung erfordert von privaten Anlagenbetreibern aktives Preismanagement und Marktkenntnis. Viele Hausbesitzer sind dafür weder ausgerüstet noch willens. Die damit verbundene Unsicherheit könnte dazu beitragen, dass Investitionsentscheidungen aufgeschoben oder ganz abgesagt werden.
Drohendes Minus beim PV-Zubau
Die Fraunhofer-Wissenschaftler schlussfolgern klar: Bei Abschaffung der EEG-Vergütung für kleine PV-Dachanlagen sei von einer deutlichen Verringerung der Investitionen in private Solaranlagen auszugehen. Das trifft Deutschland in einem Segment, das in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Ausbau erneuerbarer Energien beigetragen hat.
Kritiker sehen in den Reformplänen einen Widerspruch zu den bestehenden Klimazielen. Die EEG-Einspeisevergütung ist seit zwei Jahrzehnten das wichtigste Instrument, um private Investitionen in erneuerbare Energien zu mobilisieren. Eine Abschaffung ohne gleichwertigen Ersatz käme einem politischen Kurswechsel gleich, dessen Folgekosten die Gesellschaft langfristig tragen müsste.
Evangelische Kirche setzt Zeichen mit Berliner Solaranlagen
Dass institutionelle Investoren trotz der politischen Unsicherheit weiter auf Solarenergie setzen, zeigt ein konkretes Beispiel aus Berlin: Die Evangelische Kirche hat im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsfonds „Kirchlicher Energiekreislauf“ (KEK) die ersten Photovoltaik-Vorhaben umgesetzt. Zwei Aufdachanlagen auf Berliner Kindertagesstätten versorgen die Einrichtungen seit Kurzem mit selbst erzeugtem Solarstrom.
Der Kirchliche Energiekreislauf ist ein institutioneller Fonds, der gezielt in nachhaltige Energieinfrastruktur investiert. Das Modell belegt, dass langfristige Investitionen in Solarenergie auch abseits der klassischen Einspeisevergütung tragfähig sein können — vorausgesetzt, der Eigenverbrauch ist hoch und die Finanzierungskosten sind niedrig. Für private Hauseigentümer sind diese Bedingungen deutlich schwieriger herzustellen, was den Wert einer verlässlichen staatlichen Förderung unterstreicht.
Handlungsempfehlung für Hausbesitzer in NRW
Für Eigentümer, die den Bau einer PV-Anlage planen, ergibt sich eine klare Empfehlung: Wer von der aktuellen EEG-Vergütung profitieren möchte, sollte nicht auf den Ausgang politischer Diskussionen warten. Anlagen, die vor einer möglichen Gesetzesänderung in Betrieb gehen, sichern sich noch die bestehenden Förderkonditionen. Installateure und Fachbetriebe in NRW berichten von gestiegener Nachfrage, da viele Hausbesitzer genau diese Überlegung anstellen.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Reformpläne bislang nicht offiziell bestätigt. Die Fraunhofer-Studie hat die politische Debatte jedoch neu entfacht. Entscheidend wird sein, ob eine Anschlussregelung geschaffen wird, die privaten Investoren in Solarenergie ausreichend Planungssicherheit bietet.
Hausbesitzer und Installateure aus Drensteinfurt und NRW können sich bei der KW PV Solutions UG zur Photovoltaik-Planung und EEG-Förderung beraten lassen.
Quellen: energie-experten.org · Solarserver